Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, vielleicht sogar zum ersten Mal überhaupt —
fühle ich mich wie die Alchemistin, die ich schon immer war.
Nicht im Sinne von Zaubertränken und Gold aus Blei.
Sondern in diesem leisen, sturen, unaufhaltsamen Sinn:
Ich habe immer genommen, was mir das Leben vor die Füße gelegt hat.
Schönes. Schweres. Unfertiges.
Und habe daraus trotzdem etwas gebaut.
Mich.
Meinen Weg.
Mein kleines, eigensinniges Universum.
Vielleicht habe ich nie auf Rettung gewartet.
Vielleicht habe ich die Dinge immer schon verwandelt.
Heute ist Vollmond.
Und ich merke, wie mich das unruhig und gleichzeitig ruhig macht.
Ich habe kein großes Konzept für diesen Text. Nur viele Eindrücke im Kopf.
Ein bisschen Räucherduft in der Luft. Das Fenster gekippt.
Und dieses helle Licht draußen, das alles ein kleines bisschen ehrlicher wirken lässt.
Ich bin müde vom Funktionieren. Vom Starksein auf Abruf.
Vom Gefühl, jeden Tag wissen zu müssen, wo es hingeht.
Das klappt nicht. Zumindest nicht bei mir.
Und trotzdem liegt etwas Neues in der Luft.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Aber spürbar.
Als würde sich mein Weg formen, während ich ihn gehe.
Als würden Gedanken, die ich jahrelang nur vorsichtig gedacht habe, plötzlich Substanz bekommen.
Ich schaue auf mein Visionboard und lächle. Nicht, weil schon alles da ist.
Sondern weil ich merke, dass es sich bewegt.
Gute Dinge finden ihren Weg zu mir.
Nicht, weil ich alles kontrolliere oder alles im Griff habe.
Sondern weil ich begonnen habe, mir selbst zu glauben.
Manchmal fühlt es sich an, als würde ich mich nicht nur wiederfinden.
Sondern verwandeln.
Und trotzdem trage ich noch Dinge mit mir herum.
Alte Muster. Alte Schwere.
Gefühle, die sich in meine Hände legen, obwohl ich sie längst absetzen möchte.
Ich frage mich heute:
Was darf gehen? Was halte ich fest, nur aus Gewohnheit?
Denn wenn meine Hände voll sind mit Vergangenem,
wie soll ich greifen nach dem, was kommt?
Während ich hier sitze, hüpft wieder diese kleine Meise vor meinem Fenster herum.
So leicht. So wach. So selbstverständlich im Moment.
Und ich frage mich, wann ich mir zuletzt erlaubt habe, genauso leicht zu sein.
Nicht effizient. Nicht produktiv.
Einfach nur lebendig.
Vielleicht ist das mein eigentliches Ritual heute.
Nicht manifestieren im großen Stil.
Nicht das Universum überzeugen.
Sondern anerkennen, dass ich glauben möchte.
An das, was noch nicht da ist. An Wünsche ohne Beweis.
An ein Werden, das Zeit braucht.
In die eigene Seele zu investieren wirkt manchmal seltsam in einer Welt, die nur Ergebnisse zählt.
Aber für mich ist es kein Umweg. Und auch keine Nebensache.
Es ist Verwandlung.
Der leise Kern, zu dem ich immer wieder zurückkehre —
und aus dem ich neu wachse.
Vielleicht haben Sternschnuppen nicht den Job, Wünsche zu erfüllen.
Vielleicht erinnern sie uns nur daran, erst einmal zu überlegen, was wir uns wirklich wünschen.
Und ich wünsche weiter.
Mit Mondlicht auf der Haut und diesem neuen, vorsichtigen Vertrauen, dass ich nichts suchen muss.
Dass ich längst unterwegs bin.
Mit einer Magie,
die nie irgendwo draußen auf mich gewartet hat.
Sondern in mir gewachsen ist.
Still. Hartnäckig. Unübersehbar.
Vielleicht war es nie meine Aufgabe, etwas zu finden.
Vielleicht ging es immer darum, aus allem, was mir begegnet,
mein eigenes Gold zu machen.
Und es nicht für mich zu behalten.
Sondern es zu teilen.
Wie Funken.Wie Konfetti, im richtigen Moment.
Weil die eigentliche Magie nicht im Himmel lebt.
Sondern in uns.
Und sie wächst — wenn wir uns trauen, wir selbst zu sein.