Irgendwie stecke ich gerade in einem Autoren-Stau.
In einer Schreiberblockade. Wobei ich nicht mal weiß, ob es für sowas überhaupt echte Begriffe gibt oder ob ich mir diese Wörter nur zusammensuche, damit dieses Feststecken einen Namen bekommt. Aber genau da hänge ich gerade.
Eigentlich ist es fast schon ein Wunder, dass ich überhaupt wieder tippe.
Vielleicht werden diese Zeilen nie etwas Fertiges. Vielleicht bleiben sie einfach eine Ansammlung aus Gedankenfetzen, lose, schief, ein bisschen wirr. Vielleicht sind sie aber auch einfach das Erste, was nach langer Zeit wieder aus mir heraus will. Kein großer Durchbruch. Eher ein erstes Lebenszeichen.
Im Auge des Sturms beginnt das Leben, sagt man doch manchmal.
Und vielleicht bin ich gerade einfach nur für einen Moment überwältigt davon, dass in mir so vieles gleichzeitig zieht, drückt, wachsen will und leise anklopft.
Gestern habe ich eine Serie angefangen, und eine bestimmte Phrase ist mir im Kopf hängen geblieben wie etwas, das sich festkrallt und nicht mehr verschwindet. Vielleicht schreibe ich genau deswegen gerade überhaupt.
„Wenn sich der richtige Weg, dein Weg, zu leicht anfühlt, wenn er dir zu einfach erscheint, dann ist es vielleicht nicht der richtige.“
Und vielleicht war genau das der Satz, der mir gerade gefehlt hat.
Nicht wie ein sanfter Zuspruch. Eher wie etwas, das mich einmal kurz wachgerüttelt hat.
Denn in mir ist gerade so viel.
So viele Gedanken, dass mein Kopf sich anfühlt wie ein Raum, in dem überall halbfertige Dinge herumliegen. Zu viele Ideen, zu viele Bilder, zu viele Möglichkeiten. Ich bin voller Inspiration, voller Motivation, voller Pläne — und gleichzeitig komme ich mir vor, als würde irgendetwas in mir immer wieder auf die Bremse treten.
Ich will loslaufen, aber irgendetwas hält mich zurück.
Ich will in Bewegung kommen, aber irgendetwas in mir läuft noch immer auf Sparmodus. Zurzeit sind Babysteps die einzigen Steps, die überhaupt passieren — und selbst die kosten mich manchmal mehr Kraft, als sie eigentlich sollten. Ich funktioniere für den Alltag. Ich erledige, was eben erledigt werden muss. Aber alles, was darüber hinausgeht, liegt gerade wie hinter einer beschlagenen Scheibe. Ich kann es sehen, aber nicht richtig greifen.
Manche würden das vielleicht Faulheit nennen.
Andere vielleicht eine depressive Phase. Und vielleicht haben Menschen ja immer schnell einen Namen für Dinge, die sie nur von außen betrachten. Aber eigentlich geht es gar nicht darum, wie andere meinen Stillstand oder meinen Fortschritt einordnen. Mein Tempo gehört mir. Mein Tun auch. Und manches lässt sich eben nicht erzwingen.
Vielleicht schreibe ich auch genau deshalb.
Nicht um etwas besonders Kluges zu sagen. Nicht um am Ende einen runden, perfekten Text zu haben. Sondern um mich selbst ein kleines Stück besser zu verstehen. Um herauszufinden, was diese Phase gerade mit mir macht und wie ich trotzdem weitergehen kann, ohne mir dabei ständig selbst im Nacken zu sitzen.
Denn auch wenn es sich nicht immer so anfühlt: Ich bewege mich ja.
Vielleicht nicht laut. Vielleicht nicht schnell. Vielleicht nicht auf eine Art, die von außen besonders sichtbar wäre. Aber irgendwo unter all dem passiert bereits etwas. Ich denke an Zukunft. Ich räume innerlich um und äußerlich gleich mit. Ich bereite mich mitten im ganz gewöhnlichen Alltag darauf vor, Stück für Stück aus diesem Hamsterrad auszubrechen und meine Wünsche nicht länger nur wie schöne Dinge anzusehen, die irgendwo außer Reichweite stehen.
Ich wünsche mir ein ruhiges, unkompliziertes Leben.
Eins, das nicht ständig nach „Du musst“ klingt. Eins, das sich weniger nach eng geschnürten Tagen anfühlt und mehr nach mir. Mehr nach Luft. Mehr nach Eigenraum. Mehr nach einer Zukunft, die nicht geschniegelt schön aussieht, sondern sich wirklich richtig anfühlt.
Und vielleicht ist genau das gerade das Seltsame und Schöne daran:
Ich bin noch immer ich. Nur erwachsener. Oder zumindest in dieser wilden, unfertigen Live-Version davon. Eine Version, die gleichzeitig erlebt, festhält und irgendwie auch erst begreift, was es eigentlich heißt, älter zu werden. Kein Wunder also, dass nicht alles ordentlich sortiert daherkommt. Erwachsenwerden ist kein sauberer Ablauf. Eher ein Stapel Notizzettel, ein kalter Kaffee, ein paar Tränen auf dem Badezimmerboden und dann trotzdem irgendwo wieder ein kleiner Funke.
Ein Teil von diesem Erwachsensein, von diesem Zukunft-Bauen, ist für mich Kreativität.
Nicht nur dann, wenn etwas in mir aufbricht. Nicht nur in diesen seltenen Momenten, in denen plötzlich alles fließt. Sondern möglichst regelmäßig. Als Teil meines Lebens. Als Sprache. Als Zuhause.
Ich wollte schon immer schreiben.
Bücher, Geschichten, Blogposts, Texte aller Art. Also muss ich wohl genau das tun: schreiben. Nicht irgendwann, wenn ich mich perfekt, inspiriert und bereit fühle. Sondern jetzt. Unordentlich. Ehrlich. So viel wie möglich. Vielleicht gerade dann, wenn ich mich festgefahren fühle. Vielleicht sollte ich in solchen Phasen nicht darauf warten, dass etwas Neues plötzlich über mich kommt, sondern lieber meine alten Notizen wieder aufschlagen wie kleine Spuren, die ich mir selbst irgendwann hinterlassen habe.
Ich wollte auch schon immer Künstlerin sein.
Zeichnen. Illustrieren. Gestalten. Dinge sichtbar machen, die vorher nur in meinem Kopf gewohnt haben. Also muss ich auch das tun. Den Stift in die Hand nehmen. Den Pinsel. Mich an den Tisch setzen, auch wenn heute vielleicht nichts Großartiges entsteht. Nicht jeder Tag muss etwas Wunderschönes hervorbringen. Manchmal reicht es, Farbe zu berühren. Manchmal reicht es, ein altes Werk wieder hervorzuholen und ihm das zu geben, was ihm noch gefehlt hat.
Ich möchte, dass die Welt meine Kunst sieht.
Egal in welcher Form sie auftaucht. Am liebsten in so vielen wie möglich. Nicht, weil ich irgendwem etwas beweisen will. Sondern weil auch ich Platz einnehmen darf. Weil ich sichtbar sein darf. Weil meine Stimme nicht erst dann wertvoll ist, wenn sie allen gefällt. Weil ich mich nicht kleiner machen muss, nur damit andere sich wohler fühlen.
Also muss ich vielleicht anfangen, mehr von mir zu zeigen.
Einfach mal veröffentlichen. Einfach mal posten. Einfach mal in die Welt geben, was durch mich hindurch möchte. Ohne jeden einzelnen Gedanken vorher bis ins Letzte zu zerdenken. Ohne dieses ewige:
Was, wenn es schiefläuft?
Was, wenn alle denken, ich bin komisch?
Was, wenn es niemanden interessiert?
Was, wenn ich zu viel bin?
Was, wenn nicht?
Was, wenn es mich glücklich macht?
Was, wenn es leichter wird, sobald ich aufhöre, alles im Vorhinein kaputtzudenken?
Was, wenn daraus Freiheit wächst?
Was, wenn genau dort, wo ich immer nur das Scheitern vermute, längst etwas Gutes auf mich wartet?
Was, wenn ich mit meinen Worten jemanden berühre?
Was, wenn meine Kunst jemanden aufatmen lässt?
Was, wenn ich nicht peinlich bin, sondern mutig?
Vielleicht sollte ich mir das Beste viel öfter erlauben.
Nicht als Naivität. Nicht als Zuckerguss über ernste Dinge. Sondern als Gegengewicht. Als bewusste Entscheidung gegen dieses ewige innere Katastrophendenken, das uns allen so vertraut geworden ist.
Denn wir sind so geübt darin, uns den Absturz auszumalen.
Was, wenn es scheitert.
Was, wenn es schiefläuft.
Was, wenn ich mich blamiere.
Was, wenn niemand bleibt.
Aber wie oft setzen wir uns mit derselben Ernsthaftigkeit hin und denken das Gute bis zum Ende?
Was, wenn Menschen meine Texte gern lesen?
Was, wenn sie sich darin wiederfinden wie in einem leicht beschlagenen Spiegel?
Was, wenn sie auf neue Worte von mir warten?
Was, wenn meine Kunst nicht nur gesehen, sondern wirklich gefühlt wird?
Was, wenn ich mit dem, was ich erschaffe, nicht nur mich selbst befreie, sondern auch anderen ein kleines Fenster öffne?
Vielleicht sind die Dinge, die ich mir ausmale, gar nicht bloß Träume.
Vielleicht sind sie keine Spinnereien, kein zu großes Wunschdenken, kein Unsinn. Vielleicht sind sie Wegweiser. Kleine Zeichen am Rand eines Weges, den ich noch nicht ganz kenne, der aber trotzdem meiner ist.
Vielleicht sollte ich meine Träume also nicht nur träumen.
Vielleicht sollte ich anfangen, ihnen hinterherzugehen. Nicht wie jemand, der verzweifelt nach etwas greift. Sondern wie jemand, der langsam versteht, dass Sehnsucht nicht grundlos da ist. Dass Wünsche manchmal keine Flucht sind, sondern eine Richtung.
Vielleicht gibt es irgendwo schon diese Version von mir, die all das lebt, wonach ich mich sehne.
Nicht in einer glattgebügelten Fantasiewelt. Sondern in einer echten Zukunft. Einer, die Ecken hat, Zweifel kennt und trotzdem mir gehört. Einer Zukunft, die nicht darauf wartet, dass ich plötzlich furchtlos werde — sondern vielleicht nur darauf, dass ich aufhöre, mich selbst zurückzuhalten.
Also darf ich nicht aufgeben.
Vor allem aber darf ich nicht für immer am selben Fleck verharren und so tun, als wäre Sehnsucht etwas, das man einfach aussitzen kann.
Vielleicht muss ich mich genau deshalb bemerkbar machen.
Mich zeigen. Mich hörbar machen. Der Welt, und vielleicht auch mir selbst, sagen: Ich bin hier. Ich bin noch da. Ich bin unterwegs. Auf meinem Weg.
Und ja, vielleicht werden Menschen versuchen, mir meine Träume auszureden.
Vielleicht werden sie ihre Zweifel wie kleine Steine vor meine Füße legen. Vielleicht werden manche mein Anderssein belächeln, meine Worte verdrehen, meine Art zu fühlen für zu viel halten.
Aber nur weil nicht jeder meine Sprache spricht, macht das sie noch lange nicht falsch.
Nur weil nicht jeder versteht, was ich meine, macht das es noch lange nicht bedeutungslos. Und nur weil ich missverstanden werde, heißt das noch lange nicht, dass ich mich geirrt habe.
Vielleicht bin ich nicht verloren.
Vielleicht bin ich einfach mitten in einer Verwandlung.
Vielleicht ist das hier kein Stillstand.
Vielleicht ist das hier der Moment kurz davor.
Der Wendepunkt.
Zwischen Träumen und Tun.
Zwischen Wünschen und Werden.