Warum redet fast niemand über diesen Teil des Lebens?

Manchmal schreibe ich nicht, weil ich Antworten habe.
Sondern weil meine Gedanken irgendwo hin müssen.
Heute ist so ein Tag.

Einer von denen, an denen ich merke, dass Erwachsensein sich manchmal anfühlt,
als würde man gleichzeitig laufen lernen und Verantwortung tragen.

Dieser Text soll kein Ratgeber sein.
Eher ein offenes Notizbuch. Für mich.
Und vielleicht für alle, die gerade auch irgendwo zwischen Werden und Durchhalten stehen.

Manches ist von innen schwer zu beschreiben.
Und von außen oft noch schwerer zu verstehen.

Um ehrlich zu sein:
Zurzeit finde ich es ein bisschen schwierig mit mir.

Ich navigiere mein Erwachsenendasein so gut ich kann.
Und gleichzeitig denke ich immer wieder an meine Jugend zurück.

Und ja, ich höre die Stimme schon beim Tippen: „Du bist doch noch jung.“
Vielleicht stimmt das sogar. Aber jung zu sein bedeutet nicht, dass das Leben weniger ernst wird.
Und auch nicht, dass Verantwortung erst später beginnt.

Und ganz ehrlich: Wenn ich zu jung bin – was ist dann zu alt?
Wo liegt diese Grenze eigentlich? Und wer bestimmt sie überhaupt?

Manchmal beginnt Erwachsensein einfach früher als geplant.
Bei jedem sieht das ein bisschen anders aus und passiert zu einem anderen Zeitpunkt.

Und genau da stehe ich gerade.
Irgendwo zwischen dem Versuch, mein Leben möglichst erwachsen zu navigieren
und dieser leisen Sehnsucht nach der Unbeschwertheit von früher.

Es fühlt sich ein bisschen an, als würde ich auf einem schmalen Balken balancieren.
Und jedes Mal, wenn ich zurückblicke, verliere ich kurz das Gleichgewicht.
Und trotzdem höre ich nicht damit auf.

Ich bin fast ein bisschen neidisch auf diese Zeit damals.

Nicht weil alles einfacher war – Verantwortung hatte ich auch da schon genug.
Aber ich hatte noch diesen Freiraum.

Einfach mal Pause drücken. Wegfahren. Ein paar Tage nichts tun.
Kein schlechtes Gewissen, wenn man am Ende der Woche noch keinen Plan für die nächste hat.

Einfach im Hier und Jetzt leben. Ohne Druck.
Ohne dieses leise Hintergrundrauschen von „du solltest eigentlich…“.

Jeder spricht über das innere Kind.
Aber nur wenige über den inneren Teenager.
Oder die junge Erwachsene in uns, die irgendwo unterwegs einfach stehen gelassen wurde.

Ich glaube, meine rebelliert gerade ein bisschen.
Vielleicht fühlt sich deshalb im Moment alles doppelt so anstrengend an.

Denn ich bin gerade sehr im Erwachsenenmodus.
Stress. Termine. Verantwortung.

In meinem Job habe ich über die Jahre – fast aus Versehen – eine immer wichtigere Rolle übernommen.
Mehr Aufgaben. Mehr Verantwortung. Nicht unbedingt mehr Entlohnung. Leider.

Trotzdem macht man weiter.
Denn der Luxus, einfach aufzuhören und etwas Neues zu suchen, fühlt sich plötzlich gar nicht mehr so leicht an,
wenn man eine eigene Wohnung bezahlt, Fixkosten hat, ein Auto, Versicherungen, einen vierbeinigen Mitbewohner.
Das Leben wird irgendwann erstaunlich konkret. Die meisten wissen ziemlich genau, was ich meine.

Dann ist da noch der Alltag. Der eigene Haushalt.
Einkaufen. Sauber machen. Wäsche waschen. Staubsaugen.
Diese ganzen kleinen Dinge, die sich leider immer noch nicht von selbst erledigen.
Anscheinend war das mit den Heinzelmännchen doch nur ein Mythos.

Und dann natürlich auch die eigenen Bedürfnisse. Sport. Gesundheit. Ernährung.
Der Körper erinnert einen ja irgendwann daran, wenn man ihn zu lange ignoriert.

Hobbys. Der Ausgleich zur Ernsthaftigkeit des Lebens.
Und irgendwo dazwischen versucht man auch noch zu leben.

Dann sitzt man irgendwann auf der Couch. Endlich ein paar freie Minuten.
Und man merkt: Die Freizeit fühlt sich gar nicht mehr nach Freizeit an.
Weil man bis dahin schon so erschöpft ist, dass einem die Energie fehlt, sie wirklich zu genießen.

Dann gibt es da noch das Umfeld. Menschen, die mich manchmal an meine eigene innere Teenagerin erinnern.
Die dauerhaft auf 110 % laufen. Für die der Tag zu wenig Stunden hat.
Die ihr Leben noch mit dieser Leichtigkeit leben können und trotzdem schon von Stress sprechen.

Ich war ja selbst einmal genauso. Jeder von uns kennt das.

Dazu kommen die Vergleiche. Die Bewertungen von außen.
Die Menschen, die angeblich noch mehr schaffen und trotzdem alles irgendwie hinbekommen.
Als ob’s ein Wettkampf wäre.

Und schließlich sind da noch die sozialen Kontakte.
So hart es vielleicht klingt: In solchen Phasen haben sie bei mir oft die niedrigste Priorität.
Für manche unvorstellbar. Für mich ist das einfach die gesündeste Entscheidung.
Ich war schon immer eher unabhängig und distanziert. Nicht persönlich gemeint.
Und ganz sicher nicht, weil mir Menschen egal sind.

Sondern weil soziale Energie eben auch Energie ist.

Und ich weiß, dass Begegnungen für mich erst wieder wirklich schön sind, wenn ich selbst wieder etwas ausgeglichener bin. Wenn das Leben wieder ein bisschen übersichtlicher wird. Klarer.

Ob ich heute alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe?
Weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.
Ich lerne gerade, weniger streng mit mir selbst zu sein.

Mir weniger Druck zu machen. Denn Druck entsteht sowieso schnell genug von allein.
Also setze ich mir kleinere Ziele. Versuche stets die kleinsten Erfolge zu feiern.
Manchmal ist es ein Erfolg einfach nur aufzustehen und sich die Zähne zu putzen.

Wenn ich von drei Tageszielen eines erreiche, dann ist das eben das Ziel, das heute wichtig war.
Schritt für Schritt in meine eigene Richtung. Mein Weg bleibt mein Weg – egal ob ich laufe oder zwischendurch gehe.

Und heute freue ich mich über den Regen.
Auch wenn draußen gerade die Sonne scheint.
Der Regen, von dem ich rede, hat sowieso nichts mit dem Wetter zu tun.
Denn selbst wenn ich mich nicht darüber freue, regnet es ja trotzdem.
Und vielleicht ist das genau das Leben.
Es passiert sowieso.

Also lerne ich langsam, einfach darin zu stehen.
Den Regen zu genießen.
Vielleicht sogar darin zu tanzen.

Oder mich einfach kurz hinzusetzen und zuzuhören,
wie beruhigend Regen manchmal sein kann.

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