Ein kleiner Boxenstopp fürs Herz

Da ist nichts mehr, das ich sagen kann

Ein weiteres Gedankenflüstern aus meinem Journal, irgendwo zwischen Heilung und Kaffee.
Vielleicht findet sich auch diesmal wieder etwas darin, das jemandem ein kleines Stück Inspiration,
eine Stütze oder vielleicht einfach ein Kerzenschein im Dunkeln sein darf.

Und auf einmal sitze ich hier und die Worte
da ist nichts mehr, das ich tun oder sagen kann
sind mir einfach rausgerutscht.

Ein Satz, der mich selbst überrascht hat.

Von mir kommend – dem Mädchen, das immer alles gesagt hätte. Alles getan hätte.
Damit Dinge funktionieren.
Damit Menschen bleiben.
Damit andere glücklich sind. Oder zumindest bekommen, was sie wollen.

Ich war immer der Therapie-Mensch.

Der Mensch, zu dem andere kommen, wenn ihr Herz schwer ist.
Wenn sie über Probleme sprechen wollen. Über Sorgen.
Über Dinge, die ihnen auf der Seele liegen.

Bei mir scheint es leicht zu sein, sich anzuvertrauen.
Natürlich.

Ich bin die Freundin, mit der man über gebrochene Herzen spricht.
Über Probleme auf der Arbeit.
Über Familienkrisen oder existenzielle Fragen.

Die, die meistens einen guten Rat parat hat.
Die irgendwie die richtigen Worte findet.

Zu mir kommt man auch gerne zurück – mit Updates, mit Neuigkeiten,
mit Geschichten von Abenteuern, die passiert sind.

Und irgendwo zwischen all diesen Gesprächen bin ich auch die erwachsene Freundin geworden.

Die, die schon lange alleine lebt.
Die abends öfter zuhause bleibt.
Die ihren geregelten Alltag hat.

Mit gutem Kaffee. Meinem Hund.
Und meiner Arbeit.

Für mich gab es irgendwie immer schon Bezeichnungen. Labels. Rollen.

Und was sich früher angefühlt hat wie eine Lebensaufgabe, wie ein Sinn –
fühlt sich heute manchmal weniger nach Liebe an und mehr wie ein Käfig.

Oder ein Labyrinth.

In letzter Zeit versuche ich wieder mehr Spaß zu haben. Meinen Hobbys nachzugehen.
Mein soziales Umfeld zu genießen. Einfach mein Leben zu leben.

Und doch fällt mir auf, wie wenig Spaß ich manchmal wirklich habe.

Nicht weil die Welt langweilig geworden ist.
Sondern weil ich so fest in meiner Rolle hänge.

Manchmal möchte ich auch einfach die Freundin sein,
bei der man sich meldet, wenn man etwas erleben will.
Nicht nur, wenn es etwas zu besprechen gibt.

Manchmal vermisse ich diese Unbeschwertheit von früher.
Ich denke oft zurück an meine Teenagerjahre.

Als ich einfach gelebt habe.
Ohne über morgen nachzudenken.
Ohne Grübeln über Fixkosten oder Dienstpläne.

Spontane Reisen.
Roadtrips unter der Woche.
Das Leben im Moment.

Und dieses nostalgische Gefühl taucht immer wieder auf.
Eine Zeit zu vermissen, die nie wieder zurückkommen wird.

Manchmal frage ich mich,
ob ich nun offiziell erwachsen geworden bin.
Und ob das bedeutet, dass die Leichtigkeit mich nie mehr finden wird.

Oder ob ich vielleicht einfach nur vor einer neuen Tür stehe.
Eine Tür, hinter der neue Abenteuer warten.

Und vielleicht schaue ich gerade nur noch einmal zurück
auf eine Version von mir, die es früher einmal gab.

Denn eigentlich liebe ich es auch,
die weise Freundin zu sein.

Es berührt mich zu wissen,
dass Menschen mich als jemanden sehen mit emotionaler Tiefe.
Mit einem offenen Ohr. Mit einem sicheren Raum ohne Urteil.
Jemanden, zu dem man geht, um sich gesehen zu fühlen. Gehört.

Und wenn ich ganz ehrlich bin — ich mag mich, wie ich bin.
Ich mag mich mittlerweile sogar wirklich gerne.

Ich liebe es, dieser Therapie-Mensch zu sein.
Für die Menschen, die ich liebe.
Für Bekannte oder Kollegen, die einfach kurz jemanden brauchen, der zuhört.

Und manchmal auch für Fremde, die ich vielleicht nie wieder sehen werde –
aber für einen kleinen Moment darf ich der Mensch sein,
der ihnen ein bisschen Licht mitgibt.

Ich mag es, Licht zu sein. Wärme.

Menschen ein gutes Gefühl mitzugeben,
egal wie schwer und dunkel ihr eigenes Leben gerade ist.
Ich würde das nicht anders wollen.

Manchmal dürfte es für mich einfach ein bisschen leichter sein.
Vielleicht zwischendurch einfach kurz eine Pause.
Ein kleiner Boxenstopp nur für mich, bevor es wieder weitergeht.

Und gleichzeitig weiß ich auch,
dass das Leben so nicht funktioniert.

Vielleicht schreibe ich genau deswegen.

Vielleicht brauche ich zwischendurch einfach kurz eine Pause.
Einen kleinen Boxenstopp für mein Herz.
Und das ist vollkommen okay.

Vielleicht gehört Erwachsenwerden nicht dazu, die Leichtigkeit zu verlieren.
Vielleicht lernen wir nur, sie neu zu finden.

Hinterlasse einen Kommentar