Manchmal ist es ein Reminder. Manchmal ein Lernprozess.
Manchmal einfach eine dieser stillen Prüfungen, die nicht laut kommen,
sondern sich langsam zeigen.
Egal, wo du dich beim Lesen gerade wiederfindest –
ich schreibe heute wieder darüber, weil auch ich mich erinnern muss.
Daran, wachsam zu sein.
Nicht hart. Aber ehrlich.
Ehrlich damit, wen ich in meinem Leben toleriere.
Und mit welchen Begründungen.
Es ist der Arbeitskollege, den man eigentlich mag.
Das Familienmitglied, das halt Familie ist.
Der Nachbar, mit dem man nie Probleme hatte.
Die Schulkollegin, die doch immer nett war.
Eigentlich.
Ein kleines Wort. Ein bequemes.
Ein Wort, das sich wie ein Polster zwischen uns und unbequeme Wahrheiten legt.
Denn eigentlich wissen wir es längst.
Dass manches Verhalten nicht stimmig ist.
Dass Grenzen leise überschritten werden.
Aber eigentlich will man keinen Wirbel.
Keine Unruhe. Keinen Bruch.
Eigentlich gibt es ja auch wieder gute Tage.
Momente, die weich sind.
Und genau diese Momente lassen uns vergessen, wie Menschen sind,
wenn es unbequem wird.
Das Schwierige an Menschen mit offenem Herzen ist:
Sie sehen fast immer das Gute.
Selbst aus Krümeln bauen sie Sinn. Selbst aus halben Gesten Hoffnung.
Und fast immer finden sie Gründe, warum es okay ist,
zu viel zu geben und zu wenig zurückzubekommen.
Darum schreibe ich heute wieder.
Denn wir sind erwachsen.
Wir wissen, was wir tun.
Und wir wissen auch, was wir anderen damit antun.
Ja, wir tragen alle unsere Geschichten.
Unsere Wunden. Unsere Prägungen.
Aber Schmerz ist keine Entschuldigung, achtsamlos zu sein.
Es gibt sie –
die Menschen, die Schweres tragen und trotzdem respektvoll bleiben.
Die ihre Dunkelheit kennen und niemanden darin verlieren lassen.
Warum können sie das?
Vielleicht, weil Verantwortung nicht laut ist.
Sie zeigt sich nicht in Zitaten oder perfekt formulierten Gedanken auf Sozialen Medien.
Sondern im Verhalten. Im Alltag. In der „echten“ Welt, außerhalb des Bildschirms.
Wenn niemand zusieht.
Denn Masken halten nicht.
Sie rutschen. Sie reißen.
Und irgendwann scheint das Wahre durch – wie Licht durch einen feinen Spalt.
Viele merken nicht, wie durchschaubar sie sind.
Wie leicht man hinter das Bild blickt, das sie von sich zeigen wollen.
Ich habe mich getäuscht. Oft.
Habe gehofft. Habe zu lange gehalten.
Aber eines habe ich gelernt:
Man kann ein gutes Herz nicht vorspielen.
Nicht auf Dauer. Nie ganz authentisch.
Irgendwann fällt jede Fassade.
Wie ein Traum, der zerplatzt, sobald man merkt, dass man träumt.
Es ist Zeit.
Zeit, Menschen für das zu sehen, was sie zeigen.
Nicht für das, was wir uns wünschen, dass sie wären.
Keine Ausreden mehr. Keine Sonderregeln.
Nicht für Familie. Nicht für Liebe. Nicht für Gewohnheit.
Schluss mit dem Gehen auf Eierschalen.
Schluss mit dem Warten auf Veränderung bei denen, die nie einen Grund hatten, sich zu ändern.
Warum sollten sie auch?
Es hat doch noch immer funktioniert.
Aber nicht mehr hier.
Ich stelle mich nicht mehr hinten an.
Ich schlucke nichts mehr runter, nur um Frieden zu haben.
Ich mache mich nicht kleiner für Menschen, die nicht wachsen wollen.
Der Zutritt ist begrenzt.
Ich begegne Menschen nur noch so weit, wie sie mir entgegenkommen.
Ich laufe keine Extrameilen mehr für jene, die nicht einmal einen Schritt gehen.
Ich mache mich nicht mehr verdaulich, nur damit andere nicht kauen müssen.
Denn wir wählen unser Umfeld.
Wir entscheiden, wer Zugang zu unserem Herzen bekommt.
Und mit wem wir unsere Zeit teilen.
Zeit ist kostbar.
Und sie darf geschützt werden.
Wir sind alle schon gefallen.
Sind gegen Wände gelaufen.
Und trotzdem stehen wir noch.
Kein böses Blut in meinem Herzen.
Aber klare Grenzen.
Lieber allein als umgeben von Menschen, die mehr nehmen als geben.
Jeden Tag ein Stück mehr Selbstliebe.
Und mit jedem Tag ein bisschen näher zu den Menschen,
die genauso fühlen.
Die Richtigen sehen uns vielleicht noch nicht.
Zwischen all den falschen Flammen.
Aber sie werden.
Wenn wir aufhören, zu romantisieren und anfangen, uns ernst zu nehmen.