Ein persönlicher Journaleintrag
Man spricht oft darüber, wie es ist, mit einem narzisstischen Menschen zu leben. Über die Dynamiken, die Verwirrung, die emotionale Abhängigkeit. Viel seltener spricht man darüber, wie es sich danach anfühlt. Wenn der Mensch längst nicht mehr Teil des eigenen Lebens ist, die Auswirkungen aber geblieben sind. Wenn man gegangen ist, geheilt hat – und trotzdem merkt, dass gewisse Begegnungen Spuren hinterlassen, die nicht einfach verschwinden.
Dieser Text ist ein persönlicher Journaleintrag. Kein klassisches Storytelling, keine detaillierte Aufarbeitung. Sondern ein ehrlicher Blick darauf, wie sich das Leben nach einem Narzissten anfühlen kann. Wie Erinnerung, Körper und Verstand nicht immer gleichzeitig loslassen. Und wie Klarheit oft sehr still wird, wenn sie echt ist.
Er richtet sich an Menschen, die Ähnliches erlebt haben. An jene, die weitergegangen sind und sich trotzdem manchmal fragen, warum sich etwas in ihnen zusammenzieht, ohne dass sie zurückwollen. Und ja – er enthält auch eine leise, klare Botschaft an den Menschen, der gemeint ist. Nicht als Einladung. Nicht als Angriff. Sondern als Grenze.
Als deutliches Ende für den, der es bis heute nicht verstanden hat.
Und genau dort zeigt sich, was Nähe zurücklässt.
So lange ist unsere Zeit mittlerweile her, und trotzdem suchst du mich noch immer regelmäßig heim. Nicht in meinem Leben, sondern in Gedanken, in Momenten, in diesem kurzen Zusammenziehen irgendwo tief in mir. Und jedes Mal frage ich mich, was das Universum mir damit sagen will. Denn das Einzige, das ich fühle, wenn ich an dich denke, ist kein Schmerz mehr, keine Wut, keine Trauer – sondern Ekel. Ein stiller, klarer Ekel, der nichts mehr will außer Abstand.
Mit der Zeit habe ich mich gefragt, ob du mein Fluch in diesem Leben warst. Und was ich getan habe, um dieses ständige Wiederauftauchen zu verdienen. Warum du dir nie ein anderes Ziel gesucht hast – offenbar bis heute nicht.
Warum du glaubst, dass du mich bis heute nicht loslassen kannst.
Vielleicht, weil du damals nie wirklich da warst.
Anwesend, in deinen Augen fehlerfrei – und ohne Verantwortung für dein Verhalten. Für die Zerstörung, die du brachtest. Weil du gesehen hast, ohne wahrzunehmen, gehört hast, ohne zuzuhören.
Weil du so sehr mit dir selbst beschäftigt warst, dass alles andere nur Kulisse war.
Manchmal wirkt es, als wäre es für dich immer noch ein Spiel. Deine eigene Show, die einfach weiterläuft, egal, wer dabei zu Schaden kommt.
Und ja, ich bin längst fertig mit dir. Ich habe dich überlebt. Ich habe geheilt. Ich bin weit entfernt von diesem fieberhaften Zustand der Vergangenheit. Und trotzdem gibt es Momente, in denen sich etwas in mir zusammenzieht, allein beim Gedanken an dich. Nicht aus Angst – sondern aus Abscheu. Weil mein Körper sich erinnert, auch wenn mein Kopf längst abgeschlossen hat.
Es interessiert mich nicht, wie oft du erklärst, dass du „jetzt anders bist“. Dass du verstanden hast. Dass du heute ein besserer Mensch sein willst. Denn nichts davon ändert, wie du zu mir warst. Nichts macht ungeschehen, wie sehr du mich gebrochen hast. Wie viel du zerstört hast, während du nach außen eine schöne Fassade getragen hast. Egal, wie oft man es dreht und wendet: Du warst ein schlechter Mensch. Und ein noch schlechterer Freund. Damals, heute, und auch in jeder Version, die sich weigert, wirklich hinzusehen.
Ich habe kein Interesse daran, dich wiederzusehen. Dich wiederzuhören. Dich wieder in mein Leben zu lassen.
Nie mehr.
Du wirst wahrscheinlich nie verstehen – und vielleicht auch nie verstehen wollen –, was ich wegen dir durchmachen musste. Nicht, weil es zu kompliziert wäre, sondern weil es einfacher ist, wegzusehen.
Mein Herz war zu gut, zu loyal, zu hoffnungsvoll. Ich wollte zu lange nicht erkennen, wer du wirklich bist.
Und auch das muss ich dir nicht mehr erklären.
Du hast von Anfang an nie einen Menschen wie mich verdient.
Und so wie du mein Fluch warst, trägst du deinen eigenen längst in dir.
Mit ihm wirst du leben müssen –
mich nie wieder zu finden und mich doch immer wieder in anderen zu suchen.
Und trotz allem wünsche ich dir nichts Schlechtes. Wirklich nicht. Ich wünsche dir nur das, was für dich bestimmt ist. Denn alles, was wir in die Welt geben, kehrt irgendwann zu uns zurück – leise oder laut, sanft oder hart.
Ich habe längst verstanden, dass sich unsere Wege endgültig getrennt haben.
Dass es kein „uns“ mehr gibt, kein „wir“.
Nicht in diesem Leben. Und auch nicht in den nächsten.
Nach all dem Chaos und der Zerstörung wünsche ich dir trotzdem Heilung. Für dich selbst. Und für all die Menschen, die dir noch begegnen werden. Für all jene, die du schneiden wirst mit deiner Unsicherheit, deiner Angst, dir selbst ehrlich zu begegnen. Ob du noch immer der von damals bist oder eine neue Version mit anderen Mechanismen – wirklich anders wirst du nicht, solange du deine Maske trägst.
Ich habe dich lange genug vorm Ertrinken bewahrt. Nun liegt es an dir, selbst zu schwimmen – oder unterzugehen.
Ich bin nicht mehr da, um dich zu retten. Was passiert, liegt nicht mehr in meiner Hand.
Und selbst wenn die Welt untergehen würde und wir beide die Letzten wären, die diesen Moment erleben – nicht einmal dann würde ich deine Hand nehmen. Nicht einmal dann würde ich deine Nähe wählen.
Nicht aus Hass, sondern aus Klarheit.
Du hast keinen Platz mehr in meinem Leben.
Und das ist keine Strafe. Das ist eine Konsequenz.
Nicht jeder versteht den Unterschied – und das muss ich nicht ändern.
Nichts von dem, was passiert ist, war umsonst. Auch nicht das Dunkelste. Ich habe Frieden geschlossen mit meinem Teil der Verantwortung: Mit der Angst, allein zu sein. Mit der Hoffnung auf Nähe. Ich habe an einem Menschen festgehalten, für den ich viel zu lange da sein wollte – bis ich mich dabei selbst verloren habe.
Mit dem Übersehen von Warnungen, dem Aushalten von Verletzungen, nur um mir am Ende selbst zu beweisen,
dass ich stärker bin, als du es je gedacht hättest – und stärker, als ich es mir selbst zugetraut habe.
Ich brauche dich nicht, um glücklich zu sein. Habe ich nie. Die guten Dinge waren nicht wegen dir da.
Sie waren da, weil ich selbst fähig war, Licht zu sehen – sogar dort, wo es eigentlich dunkel war.
Manchmal tut es mir fast leid, dass du durch deine eigenen Entscheidungen nicht der Mensch bist, der du gern wärst. Für dich. Für andere. Vielleicht bringt dich das eines Tages dazu, dankbarer zu sein. Ehrlicher. Herzlicher gegenüber den Menschen, die dir nahe stehen.
Und vielleicht wirst du dann verstehen, dass das Leben mit den Konsequenzen des eigenen Handelns oft anders aussieht, als man es sich ausmalt.
Danke, dass du mir so deutlich gezeigt hast, was ich nie wieder sein will:
Kollateralschaden. Retterin.
Diejenige, die bleibt – und sich dabei selbst verliert.
Ich wünsche dir ein Leben. Kein gutes. Kein schlechtes. Einfach ein Leben.
Ohne mich. Ohne uns.
Auf nie mehr Wiedersehen.