Eigentlich hatte ich heute gar nicht vor, einen Text zu schreiben.
Ich war irgendwo zwischen Homeoffice, halb getrunkenem Kaffee und diesem langsamen Ankommen im Montag. Gedanklich noch nicht ganz da, emotional irgendwo dazwischen. So ein Morgen, der nichts Besonderes verspricht und sich trotzdem ein kleines bisschen aufgeladen anfühlt.
Vielleicht liegt es auch daran, dass Valentinstag vor der Tür steht.
Was irgendwie ironisch ist, wenn man bedenkt, wie lange ich meine innere hoffnungslose Romantikerin ziemlich gut im Hintergrund gehalten habe. Nicht, weil ich nicht mehr an Liebe glaube. Sondern weil ich gelernt habe, vorsichtiger zu sein mit dem, was ich mir wünsche. Mit dem, was ich sehe. Mit dem, was ich in Menschen hineinlese.
Und trotzdem merke ich gerade, wie sich etwas leise zurückmeldet.
Kein großes Comeback. Kein dramatisches „neues Ich“.
Eher ein vorsichtiges Auftauchen von etwas, das immer schon da war.
Ich merke, dass ich wieder aufmerksamer werde. Nicht im Sinne von Suchen. Eher im Sinne von Wahrnehmen.
Ich beobachte mich selbst dabei, wie ich Menschen wieder anders anschaue. Wie ich Dynamiken genauer spüre. Wie ich innerlich abwäge, ohne dabei hart zu werden.
Hat das hier wirklich Potenzial — oder fühlt es sich nur vertraut an, weil ich ähnliche Muster schon kenne?
Ist da echte Verbindung — oder nur ein bekanntes Fragezeichen in neuem Gewand?
Lohnt es sich, weiter zu erkunden, weiter zu investieren, Raum zu lassen?
Oder ist es eines dieser leisen Echos aus der Vergangenheit, das sich nur deshalb so echt anfühlt, weil es vertraut ist?
Ich will nicht alles aus meiner Vergangenheit verwerfen.
Nicht jede Verbindung neu bewerten, als wäre alles davor falsch gewesen.
Manches darf bleiben. Manches darf sich neu zeigen. Manches darf wachsen.
Aber ich möchte mich auch nicht mehr selbst in vertraute Illusionen zurückführen.
Nicht mehr Verwirrung mit Tiefe verwechseln.
Nicht mehr gemischte Signale romantisieren, nur weil sie sich vertraut anfühlen.
Vielleicht ist genau das die Veränderung:
dass ich mich wieder öffne — und gleichzeitig ehrlicher hinschaue, wem und was ich diesen Raum überhaupt gebe.
Nicht hart. Nicht misstrauisch.
Nur bewusster.
Vielleicht ist es auch nicht gerade die einfachste Zeit, um wieder an Liebe zu glauben.
Der Standard von Beziehungen wirkt heute oft mehr wie ein Spuk als wie eine Romanze, wenn man ehrlich ist. So vieles fühlt sich schnelllebig an, austauschbar, halb gemeint. Verbindungen werden benannt, bevor sie überhaupt Tiefe bekommen dürfen. Gefühle versteckt, bevor sie wachsen können.
Wenn ich mich umschaue, motivieren mich viele Beziehungen um mich herum eher dazu, mich zu verstecken als wirklich hervorzutreten. Nicht aus Überheblichkeit. Eher aus dieser leisen Ernüchterung heraus, die sich einschleicht, wenn man merkt, wie selten echte Nähe geworden ist.
Und trotzdem möchte ich mich davon nicht entmutigen lassen.
Ich war schon immer eine alte Seele.
Romantisch auf eine Weise, die sich manchmal anfühlt, als käme sie aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, in der Liebe mehr war als ein Titel, den man trägt. Mehr als ein scheinbares Bild nach außen. Mehr als ein Status, der gut klingt, aber nichts trägt.
Eine Zeit, in der man sich wirklich begegnet ist.
Mit Aufmerksamkeit.
Mit Ehrlichkeit.
Mit dem Wunsch, einander wirklich zu sehen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich gerade wieder etwas in mir regt.
Nicht, weil die Welt plötzlich romantischer geworden ist.
Sondern weil ich es wieder zulassen möchte, es zu sein.
Ich spüre, wie sich etwas in mir zurück in die Weichheit bewegt.
In eine Version von mir, die lange sehr vorsichtig war.
Nicht verschwunden — nur leiser geworden.
Und mit dieser leisen Öffnung kommt auch eine neue Klarheit.
Ich merke, dass ich mir jemanden wünsche, der Initiative zeigt.
Nicht als große Geste. Nicht als überwältigender Beweis.
Sondern in diesen ruhigen, ehrlichen Bewegungen, die zeigen: Ich fühle etwas, also handle ich auch danach.
Jemand, der nicht wartet, bis ich den ersten Schritt mache.
Der spürt, wenn zwischen uns etwas entsteht, und es nicht ignoriert.
Der Dinge aussprechen kann, ohne sie zu dramatisieren.
Der aufmerksam ist, ohne aufdringlich zu sein.
So in der Art von:
Da ist etwas zwischen uns. Ich kann es nicht ganz greifen, aber ich merke es.
Und weil du mir wichtig bist und ich Teil davon bin, möchte ich ehrlich damit umgehen.
Ich sehne mich nach Verbindungen, die ruhig sind. Klar. Echt.
Kein Heiß-Kalt mehr.
Keine gemischten Signale, die man entschlüsseln muss.
Keine emotionale Verwirrung, die man als Spannung verkauft.
Ich brauche keine Perfektion.
Aber Präsenz.
Keine großen Versprechen.
Aber ehrliche Bewegungen.
Ich bin nicht naiv.
Ich weiß, woher ich komme.
Ich weiß, wie sehr mich Dinge geprägt haben, die ich mir nie ausgesucht hätte. Und ich weiß auch, dass Heilung nicht bedeutet, plötzlich angstfrei zu sein.
Es wird Momente geben, in denen mich selbst schöne Dinge kurz erschrecken.
In denen Ruhe ungewohnt wirkt, weil ich lange anderes gewohnt war.
In denen mein erster Impuls vielleicht noch Rückzug ist, obwohl ich längst weiter bin.
Aber ich möchte mich davon nicht mehr zurückhalten lassen.
Ich setze neue Standards.
Nicht aus Härte.
Sondern aus Selbstachtung.
Und vielleicht ist genau das meine neue Ära.
Keine laute Transformation. Kein radikal neues Ich.
Eher ein Wiederaufblühen der ehrlichsten Version von mir.
Der weichen.
Der romantischen.
Der hoffnungsvollen.
Der klaren.
Ich glaube nicht mehr, dass Liebe kompliziert sein muss, um echt zu sein.
Ich glaube nicht mehr, dass Verwirrung Tiefe bedeutet.
Ich glaube, dass sie ruhig sein darf. Schön sein darf. Leicht sein darf, ohne oberflächlich zu sein.
Und vielleicht ist es kein Zufall, dass ich das ausgerechnet jetzt spüre.
Mitten im Februar.
Mit Valentinstag vor der Tür.
Mit dieser leisen, schüchternen Romantikerin in mir, die sich langsam wieder nach vorne traut.
Nicht naiv. Nicht kopflos.
Aber bereit.
Bereit für etwas Echtes, das nicht nur in Büchern existiert.
Nicht nur in Filmen.
Nicht nur in Gedanken.
Sondern auch hier.
Im echten Leben.
Mit jemandem, der bleibt, wenn er sagt, dass er bleibt.
Und vielleicht beginnt alles genau so:
Nicht mit einem großen Knall.
Sondern mit einem leisen inneren Aufblühen.