Es ist ruhig geworden zwischen uns — aber nicht in mir.
Zeit vergeht. Gefühle nicht immer.
In mir tobt ein Sturm voller Gefühle. An manchen Tagen fühlt es sich an, als würde mich alles gleichzeitig verschlingen, und an anderen bin ich fast taub – wie ein Tinnitus im Inneren. Als stünde ich im Auge des Sturms, während um mich herum alles durcheinandergewirbelt wird.
Jedes Mal, wenn ich glaube, mit dir abgeschlossen zu haben, reißt es mich zurück.
Zurück in die Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben. Zurück in Erinnerungen. Zurück in dieses Unausgesprochene zwischen uns.
Es fühlt sich an, als stünde ich auf einem Berggipfel und du mir gegenüber auf einem anderen – ein ganzes Tal zwischen uns.
Ein Teil von mir weiß längst, dass du dort vielleicht gar nicht mehr stehst. Dass du nicht mehr wartest.
Dass du längst weitergereist bist und ich diejenige bin, die stehen geblieben ist.
Vielleicht hast du jemand Neues gefunden. Vielleicht war das mit uns nur eine Phase.
Und trotzdem dachte ich, warum auch immer, dass wir gemeinsam warten.
Dass uns ein roter Faden verbindet, den weder Zeit noch Abstand durchtrennen können. Kitschig, ich weiß.
Schau dir an, was du aus mir gemacht hast – oder besser gesagt, welche Seite du in mir geweckt hast: die hoffnungslose Romantikerin.
Über solche Geschichten lese ich eigentlich lieber, als selbst die Hauptfigur zu sein. In meinen Büchern weiß ich wenigstens, dass das Ende irgendwann gut wird.
Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass ich wütend auf dich bin.
Und ich bin es noch immer. Wahrscheinlich werde ich es auch ein Stück weit immer sein. Wie könnte ich auch nicht?
Du warst der Erste, der sich durch meinen Dornengarten gekämpft hat. Der meine Mauern nicht nur gesehen, sondern irgendwie überwunden hat. Egal, wie viele Hindernisse ich aufgebaut habe – du hast immer einen Weg hindurch gefunden. Manchmal vielleicht bewusst. Meistens wohl eher zufällig.
Zufall.
Fast schon zu viele Zeichen, um alles nur Zufall zu nennen. Ich glaube sowieso daran, dass nichts einfach so passiert, sondern alles irgendeinen Sinn hat.
Natürlich musste ich dich wegdrücken. Musste dich von mir wegscheuchen. Musste mich losreißen und loslaufen, bevor du mir zu nah kommen konntest.
Der Wolf im Schafspelz, der eigentlich nur ein Angsthase ist. Ironisch, irgendwie.
Und trotzdem glaube ich noch an uns.
Ob das naiv ist, kindlich oder einfach reinherzig – vielleicht, weil ich noch nicht bereit bin, diese Gedanken loszulassen. Vielleicht, weil ein Teil von mir spürt, dass unsere Geschichte noch nicht ganz zu Ende geschrieben ist. Dass wir gerade nur auf getrennten Wegen unterwegs sind.
Denn was du tust und wie es dir geht, interessiert mich noch immer.
Vielleicht träume ich das alles auch nur. Vielleicht wäre es besser, endlich aufzuwachen.
Doch selbst tausend Stunden Schlaf würden wohl nicht reichen, um dich wirklich zu vergessen.
Also rüttle ich mich selbst wach.
Eines weiß ich auf jeden Fall: Ich sollte mehr Liebestexte schreiben.
Jetzt, wo diese Seite in mir wach geworden ist, darf sie Raum einnehmen. Zu lange hat sie sich versteckt.
Zeit, mir selbst zu zeigen, dass ich die Liebe, nach der ich suche, längst in mir trage.
Vielleicht bringt mich genau das ein Stück weiter nach vorne.