Menschen, die bleiben

Vielleicht ist das der Wendepunkt

In letzter Zeit fällt mir etwas auf, das ich selbst nie erwartet hätte:
Wie sehr mir weibliche Freundschaften fehlen.
Und noch mehr als das – wie sehr mir tiefgründige, spannende Verbindungen fehlen.
Diese Art von Nähe, bei der man nicht an der Oberfläche bleibt, sondern gemeinsam darunter abtaucht.

Das soll nicht heißen, dass ich meine Entscheidungen bereue.
Ich habe mich bewusst von lockeren Verbindungen und halbherzigen Beziehungen getrennt.
Von einseitigen Freundschaften und Bekanntschaften, die mehr geraubt als gegeben haben.
Ich werde immer der Meinung sein – und bleiben –, dass ich lieber alleine bin,
als mich jemals wieder für andere zu verlieren, mich ausnutzen zu lassen oder falsche Menschen um mich zu haben.

Ich habe definitiv gute Bekanntschaften um mich.
Menschen, mit denen man reden kann, die es gut meinen, die ablenken und mit denen man lachen kann.
Aber niemanden, mit dem ich auch unter die Wasseroberfläche tauchen kann.

Aber wirklich tiefe Verbindungen sind in meinem privaten Leben gerade nicht vorhanden.
Nicht in meinem engen Kreis.
Und vor allem fehlt mir dieser weibliche Ausgleich.

Was irgendwie ironisch ist.
Weil für mich schon immer Freundschaften mit Männern einfacher waren. Unkomplizierter.
Nicht immer das, was man unter klassischer Freundschaft versteht, und auch nicht immer gut – aber möglich.
Und definitiv den Aufwand wert, den es braucht, um eine gesunde Freundschaft zwischen den Geschlechtern aufzubauen und zu halten – vor allem, weil sie mir lange einfacher erschienen sind als Freundschaften mit Frauen. Zumindest zu einer Zeit, in der ich noch anders auf Freundschaft geblickt habe.

Doch selbst ich durfte vor einigen Jahren feststellen, dass es auch Frauen gibt, bei denen sich dieser Aufwand lohnt.
Wie schön eine echte Freundschaft zwischen Frauen ist. Wie bereichernd.
Wie wichtig diese Verbindungen werden, je älter man wird, je mehr man bei sich ankommt.

Gesunde Freundschaften sind auch hier möglich – auf meinem Weg zwar seltener und schwerer zu finden, aber genau deshalb umso wertvoller.
Freundschaften, in denen man gemeinsam wächst, sich gegenseitig hält und miteinander wird.

Die wenigen Rohdiamanten, die ich bisher entdecken durfte, waren jeden Aufwand wert.

Abgesehen vom Geschlecht kann ich heute ehrlich sagen, dass ich die besonderen Menschen, die wirklich tief in mein Herz verknüpft sind – auch wenn der Kontakt längst fehlt – an einer Hand abzählen kann.

Vielleicht ist das auf eine Art mein persönlicher Fluch und Segen zugleich.
Diese besonderen Menschen zu finden, sie aber nie halten zu können.
Vielleicht ist das so gedacht. Vielleicht soll es gar nicht anders sein.
Und trotzdem frage ich mich manchmal, ob nicht auch jemand für mich zum Bleiben bestimmt ist.

Eine dieser Personen ist so tief in mir verankert, dass ich glaube, niemals ganz ohne sie leben zu können. Auch wenn wir kein Teil mehr im Leben der anderen sind. Auch wenn unsere Wege vielleicht nie wieder zueinanderfinden.
Der Abdruck in meinem Herzen bleibt. Und ihre Essenz wird mich nie ganz verlassen.

Heute geht es aber um einen ganz anderen Menschen.
Kein Stück weniger wertvoll, aber komplett anders.
Eine völlig anderen Epoche meiner Geschichte. Ein ganz neues Kapitel.

Ein ganz anderer Mensch – und doch genauso prägend.
Beides aber Menschen, die mir gezeigt haben, wie schön und wie intensiv platonische Liebe in Freundschaften sein kann. Und wie viel heller sie das Leben macht.
Vielleicht ist genau das die Heilung, die mein Herz braucht.

Beides sind Menschen, die wie Sternschnuppen auftauchen:
unerwartet, ungeplant und auf eine ganz eigene Art magisch.
Ein stilles Zeichen dafür, das Herz immer einen Spalt offen zu lassen.
Man weiß nie, wer als Nächstes in unser Leben tritt.

Heute geht es um einen Menschen, den ich mit niemandem vergleichen kann – außer mit mir selbst.

Irgendwie vollkommen gleich. Und doch vollkommen anders als die andere.

Man kennt sich weder lange noch besonders gut (bis jetzt), und trotzdem ist da von Anfang an eine tiefe Verbindung. Ein Verstehen ohne große Worte. Ohne Zeitdruck.

Eine bunte Mischung aus erwachsener Freundschaft – zwei starke Persönlichkeiten mit großen Zielen, Alltag, Arbeitsstress – und diesem stillen Einverständnis,
dass kein Druck besteht, ständig präsent sein zu müssen, damit eine Freundschaft lebt.
Ein Verständnis für Verschwinde-Phasen. Und eine ehrliche Freude auf die euphorischen Momente dazwischen.

Und dann doch diese klassische Mädels-Freundschaft: Raum für Hobbys und Interessen, für Kunst und Abenteuer.
Für das Teilen der Dinge, die uns erfüllen – und jener, für die andere uns belächeln würden.
Ohne Wertung. Ohne Schuldgefühle. Kein Wettbewerb, sondern ein Leben miteinander.

Und dann ist da dieses besondere Band zwischen uns.
Nicht offensichtlich, nicht vollständig erklärbar – aber immer da.
Egal in welcher Phase. Ein Band, das uns hält. Und immer wieder zueinander zieht.

Dieser klare Unterschied zu anderen Freundschaften.
Eine Person für all meine Phasen.

Ein Verständnis, das sich mit nichts vergleichen lässt.
Keine konstante Bühnenvorstellung. Keine Angst vor Verurteilung oder Bewertung.
Keine Scham davor, verrückt zu klingen. Kein Verstecken, wenn es einem schlecht geht.

Ein Raum zwischen zwei Herzen, in dem alles Platz hat.
Und zu dem man immer wieder zurückfindet – egal, wie weit man reist.
Egal, wohin das Leben uns führt.

Vielleicht ist das der Moment, in dem sich etwas verschiebt.
Ein leises Umkehren der Rollen.

Nicht mehr nur ich, die vermisst.
Nicht mehr nur ich, die kämpft.

Sondern Menschen, die bleiben.
Die mich sehen. Die mich nicht loslassen, nur weil es einfacher wäre. „Weil es halt einfach so ist“

Mein größter Herzenswunsch und meine größte Angst zugleich –
stehen plötzlich nebeneinander. Und bleiben.

Und nein, ich bereue es nicht, halbherzige Verbindungen bewusst beendet zu haben.
Menschen losgelassen zu haben, die mich nie wirklich gesehen haben.
Tote Pflanzen nicht weiter gegossen zu haben.

Auch wenn ich lange an dem Punkt war, an dem es sich anfühlte,
als könnte ich wertvolle Menschen nie wirklich halten, wusste ich immer:
Es muss da draußen Menschen geben, die mich halten. Die bleiben.

Vielleicht ist genau das hier der Wendepunkt.
Vielleicht bin ich jetzt endlich bereit, diese neue Erfahrung nicht nur zu hoffen –
sondern sie zuzulassen.

Und vielleicht begann all das in dem Moment,
in dem jemand einen Schritt auf mich zuging,
als ich mich selbst noch nicht getraut habe.

Ein leiser Dank an dich
und an all das, was durch dich nun kommen darf.

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