In mir macht sich langsam ein neues Gefühl breit.
Nicht laut. Nicht fordernd.
Eher wie ein seltener Paradiesvogel, der vorsichtig beginnt,
Heimat in meinem Garten der Gedanken zu finden.
Noch ist er scheu. Hält sich im Halbschatten auf.
Beobachtet mehr, als dass er sich zeigt.
Und doch – immer wieder blitzt er durch.
Ein Farbton, den ich so noch nicht kannte.
Es gibt keinen Druck, ihn zu benennen.
Keinen Zwang herauszufinden, was genau er ist oder warum er jetzt da ist.
Er darf einfach Teil werden meines kleinen Museums der Emotionen.
Ohne ihn sofort verstehen zu müssen. Ohne ihn einzuordnen oder zu bewerten.
Er darf einfach da sein.
Und fast überraschend fühlt sich da etwas an wie kindliche Vorfreude.
Nicht auf etwas Konkretes. Sondern auf etwas, das es in mir bisher noch nie gegeben hat.
Ich spüre es hin und wieder.
Dieses fremde, leise Gefühl von
Egalsein.
Ein Wort, das für viele vielleicht hart klingt.
Abweisend. Kühl.
Aber für mich?
Für mich mit meinen großen Gefühlen.
– meiner Tiefe, die selten Grenzen kennt
Meiner endlosen Empathie und meinem viel zu offenen Herzen?
Ein Gefühl von egal sein war bis vor Kurzem undenkbar.
Und doch ist es nun da.
Nicht als Mauer. Sondern als weicher Raum.
Als Zeichen von Heilung.
Vielleicht ist das kein Verlust an Tiefe.
Vielleicht ist es ein neues Gleichgewicht.
Und vielleicht – muss ich es einfach nur beobachten,
während es langsam lernt, in mir zu bleiben.
Vielleicht bin ich einfach gespannt, was dieses neue, erleichternde Gefühl mit sich bringt.
Wie es alte Verhaltensmuster berührt.
Ob es meinen Alltag leiser macht.
Ob es sich einen Partner sucht – vielleicht ein schlechtes Gewissen,
das nicht mehr bei jeder Kleinigkeit zum Einsatz kommen muss.
Oder die naive Gutgläubigkeit, die sich früher für alle vor den Bus werfen wollte und jetzt lernen darf, stehen zu bleiben.
Vielleicht ist das hier kein Mangel an Tiefe.
Sondern der Beginn von Ausgleich.
Vielleicht ist dieses Egalsein kein Weggehen von mir – sondern ein Ankommen.
Und vielleicht ist es einfach das erste Zeichen von Heilung.
Ein Licht, das nicht plötzlich hell wird, sondern Stück für Stück mehr leuchten darf.