Ich stecke gerade im sogenannten Writer’s Block.
Wobei „Block“ ein ziemlich optimistisches Wort dafür ist, dass in meinem Kopf ungefähr 37 Gedanken gleichzeitig Möbel verrücken.
Leer ist es hier jedenfalls nicht.
Ich möchte schreiben. Dinge anfangen. Ideen umsetzen. Projekte aus irgendwelchen staubigen Gehirnschubladen holen, ihnen kurz den Staub von den Schultern klopfen und endlich herausfinden, was eigentlich aus ihnen werden könnte.
Und trotzdem stehe ich erstaunlich oft noch am Start.
Man möchte eigentlich nur kurz auf die Karte schauen, um die Route zu planen, und irgendwann merkt man, dass man sich beim Planen selbst irgendwo verloren hat.
Nicht für immer.
Nur lange genug, um inzwischen mehr Zeit mit Wie? Wann? Was zuerst? Bin ich bereit? Ist das überhaupt gut genug? zu verbringen als damit, tatsächlich loszulaufen.
Sehr effiziente Reiseplanung.
Ich frage mich manchmal, wie viele Ideen wohl schon still verglüht sind, weil wir sie so lange zerdenken, bis vom ersten Funken kaum noch etwas übrig ist.
Denn die Angst davor, etwas Schlechtes zu erschaffen, ist leider ziemlich talentiert darin, auch das Gute vorsorglich gleich mit zu verhindern.
Praktisch.
Vielleicht liegt darunter aber noch etwas anderes.
Vielleicht hetze ich manchmal durch mein eigenes Dasein, als hätte irgendein imaginärer Life-Coach mit Klemmbrett beschlossen, dass ich bis Freitag dringend eine bessere Version meiner selbst abgeben muss.
Neuer Job. Neues Ziel. Neuer Ort. Neuer Mensch. Neue Erkenntnis.
Irgendwo hinter der nächsten Kurve wartet dann angeblich dieses sagenumwobene Gefühl von:
So. Geschafft. Jetzt bin ich vollständig.
Als wäre das Leben ein Möbelstück und irgendwo würde noch eine verdammte Schraube fehlen.
Was, wenn es darum aber gar nicht geht?
Vielleicht ist der Sinn des Lebens nicht ständig etwas Neues zu werden, sondern nach und nach all das abzulegen, was man sowieso nie war.
Die Erwartungen. Die Rollen. Das ewige Müssen. Diese seltsame Vorstellung, dass alles, was wir tun, irgendwohin führen, etwas bringen oder am besten noch gut aussehen sollte.
Und sich stattdessen manchmal daran zu erinnern, wie leicht Dinge einmal sein konnten.
An dieses Kind, das gemalt, geschrieben, getanzt, gesungen oder irgendeinen vollkommen sinnlosen Unsinn erfunden hat, ohne vorher Zielgruppe, Nutzen und persönliches Entwicklungspotenzial zu analysieren.
Kein Publikum.
Keine Erwartungen.
Keine Performanceanalyse.
Einfach, weil es Spaß gemacht hat.
Eigentlich beneidenswert unprofessionell.
Wir haben hier außerdem mittlerweile oft genug festgestellt, dass Perfektion eine ziemlich dubiose Erfindung ist. Ich finde, langsam könnten wir tatsächlich eine Petition starten, dieses Wort aus dem Duden zu entfernen.
Es setzt ohnehin nur alle unter Druck und niemand benutzt es erfolgreich.
Vielleicht wäre echt das schönere Ziel.
Fühlen. Lernen. Wachsen. Sich verändern. Manchmal zurückrudern. Manchmal falsch abbiegen. Hin und wieder mit beeindruckender Überzeugung in die falsche Richtung laufen und erst drei Kilometer später auf die Karte schauen.
Man lebt schließlich.
Man optimiert kein Betriebssystem.
Und vielleicht besitzen wir längst viel mehr, als wir in diesem ständigen Rennen überhaupt noch wahrnehmen.
Gedanken. Menschen. Kleine Dinge. Fähigkeiten. Geschichten. Einen eigenen inneren Kosmos, den wir viel zu oft behandeln, als müsste erst noch irgendetwas hinzugefügt werden, bevor er sehenswert ist.
Deshalb schreibe ich heute einfach aus meinem Chaos heraus.
Nicht, um DEN Blogpost zu veröffentlichen.
Nicht, um mit einer bahnbrechenden Erkenntnis das Weltgeschehen nachhaltig zu verändern.
Und auch nicht, um meinen Writer’s Block feierlich für beendet zu erklären.
Der soll sich jetzt bloß nichts einbilden.
Ich wollte einfach wieder schreiben.
Ohne zu wissen, wo der Text endet.
Ohne vorher die ganze Straße zu kennen.
Und irgendwie finde ich es ziemlich passend, dass ausgerechnet ein Text übers Feststecken entstanden ist, weil ich einfach angefangen habe, mich zu bewegen.
Nicht besonders elegant.
Aber offenbar ausreichend.
Vielleicht muss ich also gar nicht wissen, wo ich ankomme.
Für heute reicht mir zu wissen:
Ich bin wieder losgelaufen.
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