Im Nachhinein fühlt es sich oft so an, als wäre ich selbst gegen eine Wand gelaufen. Gegen meine eigene nämlich.
Nicht besonders elegant. Nicht dramatisch genug für einen Film, aber auch nicht nüchtern genug, um es einfach nur „einen schlechten Moment“ zu nennen. Eher wie ein innerer Unfallbericht, den niemand lesen will, außer vielleicht mein schlechtes Gewissen, das sowieso immer in der ersten Reihe sitzt und mitschreibt.
Denn auch wenn ich ich bin, kommt es mir manchmal so vor, als hätte ich in gewissen Situationen kein echtes Mitspracherecht. Als würde in mir plötzlich irgendein uraltes Notfallprogramm anspringen, ohne vorher höflich zu fragen, ob ich heute überhaupt Kapazität für emotionale Selbstsabotage habe.
Kampf oder Flucht.
Wobei es bei mir manchmal weniger heldenhafte Flucht vor Gefahr ist und mehr: Ich bekomme Angst, mein Kopf macht dicht, mein Herz schreit dazwischen, mein Mund sagt Dinge, die ich nicht einmal richtig meine, und irgendwo in mir sitzt eine kleine Version von mir mit Klemmbrett und denkt: Aha. Schon wieder alles angezündet, bevor es überhaupt warm werden konnte.
Ich weiß, dass ich Menschen mit meinen Worten oder meinem Verhalten verletzen kann. Und ich trage diese Schuld mehr mit mir herum, als man mir vielleicht ansieht. Sie liegt nicht dekorativ auf einem Regal, wo man sie bei Bedarf kurz abstauben kann. Sie sitzt eher im Bauch. Schwer. Unangenehm. Wie etwas, das man verschluckt hat, obwohl es nie für den menschlichen Verzehr gedacht war.
Es war nie meine Absicht, Menschen zu verletzen. Wirklich nicht.
Manchmal spreche ich aus Erschöpfung. Aus Überforderung. Aus Angst. Aus einem Raum in mir, in dem alle Lichter flackern und niemand mehr weiß, wo der Ausgang ist. Ich sage Dinge, um aus diesem Gefühl herauszukommen. Schnell. Zu schnell. Hauptsache weg aus dieser Enge, aus dieser Panik, aus diesem Ort, an dem Nähe plötzlich nicht mehr nach Wärme, sondern nach Gefahr riecht.
Und erst später, wenn mein Nervensystem wieder so tut, als wäre es ein zivilisierter Bestandteil meines Körpers, merke ich, was ich angerichtet habe.
Dann kommt die Schuld. Pünktlich wie ein sehr unangenehmer Zug.
Dann kommt das Grübeln. Natürlich mit Sitzplatzreservierung.
Dann kommt dieses leise: Warum bist du so?
Ich frage mich oft, ob irgendwo, irgendwann, irgendwie genug Liebe existieren kann, um meinen Kopf wieder weich werden zu lassen.
Nicht mein Herz. Das Herz ist nicht das Problem. Mein Herz kämpft. Mein Herz schreit. Mein Herz rennt barfuß durch brennende Felder und ruft trotzdem noch: Aber vielleicht wird es ja diesmal gut.
Mein Herz ist ein hoffnungsloser Romantiker mit viel zu wenig Selbsterhaltungstrieb und einer sehr fragwürdigen Vorliebe für rote Fäden.
Aber mein Kopf?
Mein Kopf bleibt vergiftet. Mein Kopf bleibt stur. Mein Kopf steht mit verschränkten Armen vor jeder offenen Tür und sagt: Nett hier, aber wir kennen das Ende bereits.
Manchmal fühlt es sich an, als hätte mein System Abwehrkräfte gegen Liebe entwickelt. Gegen Nähe. Gegen dieses ruhige, schöne, gefährliche Gefühl, wirklich gesehen zu werden. Als würde etwas in mir alles bekämpfen, was eigentlich gut für mich sein könnte, nur weil es sich fremd anfühlt.
Und was, wenn nicht einmal die größte Liebe der Welt reicht, um diesen Teil in mir zu beruhigen?
Was, wenn jemand mich liebevoll anschaut und mein Kopf trotzdem nur nach dem Notausgang sucht?
Was, wenn mein Herz längst bereit wäre, aber mein Kopf noch immer an alten Wunden Wache hält?
Was, wenn ich Liebe nicht verliere, weil sie nicht da ist, sondern weil ich sie nicht nah genug an mich heranlasse?
Ich will wieder lieben.
Mehr, als ich jemals laut zugeben würde. Nicht nur die Idee davon. Nicht nur das hübsche Konzept, das man sich an verregneten Abenden zurechtträumt, während irgendwo ein trauriges Lied läuft und man so tut, als wäre man ganz zufällig tiefgründig.
Ich meine die echte Version.
Die Liebe, die mit mir schweigen kann, ohne dass es leer wird. Die Liebe, die kleine Dinge bemerkt. Wie ich meinen Kaffee trinke. Welche Lieder mich wieder weicher machen. Wann ich lache, obwohl mir eigentlich zum Weinen ist. Welche Sätze mich treffen, auch wenn ich so tue, als hätten sie nur kurz an die Tür geklopft.
Ich sehne mich nach einer Liebe, die nicht laut beweisen muss, dass sie bleibt. Eine, die nicht ständig das Zimmer verlässt, nur weil es kurz kompliziert wird. Eine, die nicht nur mein Licht mag, sondern auch nicht sofort die Feuerwehr ruft, wenn sie meine Schatten sieht.
Ich sehne mich danach wie nach Luft. Wie nach Wärme. Wie nach etwas, das ich nicht erfinden müsste, weil es einfach da wäre.
Und trotzdem halte ich Liebe auf Armlänge.
Nah genug, um sie anzusehen. Nah genug, um bewegt zu sein. Nah genug, um fast zu funktionieren.
Aber nie nah genug, um sie wirklich zu berühren.
Wie ein Gemälde im Museum. Man steht davor, leicht beeindruckt, vielleicht sogar ein bisschen verändert, aber die Hände bleiben brav bei sich. Nicht anfassen. Nicht riskieren. Nicht fühlen, was passieren könnte, wenn etwas Schönes nicht nur schön aussieht, sondern wirklich einem gehört.
Vielleicht habe ich verlernt, diese Entfernung zu überqueren.
Zwischen kennen und gekannt werden.
Zwischen mögen und bleiben.
Zwischen „ich bin da“ und „ich glaube dir“.
Ein Teil von mir ist überzeugt, dass mehr von mir zu kennen automatisch bedeutet, weniger von mir zu lieben. Dass ich aus der Ferne besser wirke. Weicher. Interessanter. Weniger kompliziert. Vielleicht sogar liebenswert.
Aus der Distanz kann man viel romantisieren.
Da sieht man die Risse nicht so genau. Da hört man die Panik nicht in jedem Nebensatz. Da kann man mich noch für ein Geheimnis halten und nicht für ein ganzes Archiv an falsch beschrifteten Kartons.
Vielleicht ist es einfacher, eine Vorstellung von mir zu lieben als mich selbst.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ich anfange, Dinge zu zerstören, bevor sie überhaupt Form annehmen können.
Nur zur Sicherheit.
In meinem Kopf ergibt das Sinn. Leider. Wenn ich etwas zuerst kaputt mache, kann es mich später nicht mehr so sehr überraschen. Wenn ich zuerst gehe, werde ich nicht verlassen. Wenn ich zuerst kalt werde, kann mir niemand vorwerfen, dass ich zu sehr gebrannt habe.
Eine sehr traurige Logik, aber immerhin konsequent. Man muss ja irgendwo anfangen, wenn man sein eigenes Glück sabotieren möchte.
Ich weiß, dass das nicht richtig ist.
Ich weiß, dass man nicht jedes mögliche Ende vorwegnehmen kann, indem man den Anfang ruiniert. Ich weiß, dass Schutzmauern irgendwann weniger schützen und mehr einsperren. Ich weiß, dass Angst keine besonders gute Architektin ist, auch wenn sie erstaunlich viele Baupläne in meinem Kopf hinterlassen hat.
Aber Wissen ist eben nicht dasselbe wie Können.
Ich kann verstehen, warum ich mich verstecke, und mich trotzdem nicht sofort finden. Ich kann wissen, dass Nähe nicht automatisch Gefahr bedeutet, und trotzdem zusammenzucken, wenn sie vor mir steht. Ich kann mir wünschen, geliebt zu werden, und gleichzeitig Angst davor haben, dass es wirklich passiert.
Das ist vielleicht eine der hässlichsten Wahrheiten: Manchmal bekommt man nicht Angst, weil etwas falsch ist. Manchmal bekommt man Angst, weil etwas richtig sein könnte.
Weil es Bedeutung haben könnte.
Weil es bleiben könnte.
Weil es weh tun könnte, falls es doch nicht bleibt.
Also bleibe ich oft dort, wo ich bin. Versteckt hinter unsichtbaren Wänden, die keiner sieht, aber alle irgendwie spüren. Ich sage mir, dass das reicht. Dass Abstand auch eine Art Frieden ist. Dass man nicht alles anfassen muss, was einen berührt.
Und während ich mir das einrede, trage ich diese leise Sehnsucht in mir wie eine kleine Flamme, die immer wieder nach Luft sucht.
Nicht dramatisch. Nicht riesig. Kein Waldbrand.
Nur klein. Hartnäckig. Unverschämt lebendig.
Ich habe mich lange nicht wirklich gewollt gefühlt. Nicht auf eine gesunde Art zumindest. Also habe ich versucht, mich nützlich zu machen. Wenn man schon nicht bedingungslos geliebt wird, kann man ja wenigstens gebraucht werden. Auch das ist eine Form von Zugehörigkeit, wenn man sehr müde ist und die Ansprüche senkt.
Ich sprach von Freundlichkeit und sagte trotzdem Dinge, die ich nicht zurücknehmen kann.
Ich sprach von Vergebung und trage doch noch Namen in mir, bei denen mein Herz kurz die Luft anhält.
Ich sprach vom Loslassen und besuche innerlich noch immer Menschen, die längst ausgezogen sind.
Sehr konsequent von mir. Wirklich. Fast schon beeindruckend.
Eine Zeit lang dachte ich, Kommunikation wäre alles. Ich dachte, wenn man nur genug redet, genug erklärt, genug Worte findet für das Unaussprechliche, dann müsste Nähe doch irgendwann gelingen.
Aber irgendwann habe ich verstanden, dass ich nicht nach Kommunikation gesucht habe.
Ich habe nach Verständnis gesucht.
Man kann stundenlang reden. Man kann sein Innerstes auf den Tisch legen wie ein viel zu persönliches Puzzle. Man kann erklären, übererklären, sich selbst sezieren, Gefühle in Sätze pressen, bis sie kaum noch atmen können. Man kann versuchen, gesehen zu werden, mit allen verfügbaren Worten, mit jeder Metapher, mit jeder Wunde, die man vorsichtig auspackt.
Aber wenn der andere Mensch nicht wirklich hört, wird alles zu Lärm.
Dann ist man offen und trotzdem allein. Vielleicht sogar gerade deshalb.
Es gibt eine besondere Art von Einsamkeit, die entsteht, wenn man sich verletzlich macht und merkt, dass man nicht verstanden wurde. Wenn man sein Herz ausschüttet, nicht um Recht zu haben, sondern um Verbindung zu finden, und am Ende nur das Echo der eigenen Worte zurückkommt.
Ich habe meine kugelsichere Weste für viele Menschen ausgezogen.
Um näher zu sein. Um sie fester halten zu können. Um nicht immer so hart zu wirken. Um zu zeigen: Schau, ich vertraue dir. Hier bin ich. Ohne Panzer. Ohne Ironie. Ohne Notausgang in der Stimme.
Und zu oft wurde genau dort hingezielt.
Vielleicht nicht immer absichtlich. Vielleicht waren manche Menschen selbst verletzt, selbst überfordert, selbst unfähig, zärtlich mit dem umzugehen, was ihnen anvertraut wurde. Aber Schmerz wird nicht automatisch weniger, nur weil er nicht böse gemeint war.
Zu oft erwarten wir, dass andere fühlen, handeln oder lieben wie wir selbst. Und wenn sie es nicht tun, halten wir sie schnell für gleichgültig. Für kalt. Für weniger interessiert. Für Menschen, denen wir nicht genug bedeuten.
Dabei spricht vielleicht jeder Mensch seine eigene Sprache.
Manche lieben laut. Manche leise. Manche praktisch. Manche poetisch. Manche erinnern sich an jedes Detail, manche stehen einfach da, wenn alles zusammenfällt. Manche schreiben lange Nachrichten, manche bringen Tee. Manche sagen „ich liebe dich“, manche reparieren dein Fahrrad und hoffen, du verstehst die Grammatik dahinter.
Vielleicht ging es nie darum, dass alle dieselbe Sprache sprechen.
Vielleicht ging es darum, bereit zu sein, die Sprache des anderen zu lernen.
Vor allem, wenn es um Liebe geht.
Nicht sich selbst zu verlieren, nur um verstanden zu werden. Nicht die eigene Sprache aufzugeben, damit jemand anderes sich nicht anstrengen muss. Aber vielleicht einander entgegenkommen. Übersetzen. Nachfragen. Nicht sofort beleidigt sein, wenn Liebe nicht im eigenen Dialekt auftaucht.
Mittlerweile glaube ich, dass das Ziel ist, jemandem nahe zu kommen und trotzdem bei sich zu bleiben.
Nicht zu verschmelzen. Nicht sich aufzulösen. Nicht aus lauter Sehnsucht wieder in alte Muster zu rennen und es dann Schicksal zu nennen, weil das romantischer klingt als „unverarbeitete Bindungsangst mit hübscher Beleuchtung“.
Sondern Nähe, die Platz lässt.
Liebe, die nicht verschlingt.
Verbindung, die nicht verlangt, dass einer von beiden verschwindet.
Und ja, ich glaube immer noch daran, dass man die richtige Person zur falschen Zeit treffen kann.
Wenn man noch nicht geheilt ist. Wenn das Leben gerade andere Pläne hat. Wenn beide Herzen vielleicht etwas erkennen, aber die Hände noch zu voll sind mit alten Scherben. Wenn da etwas ist, aber nicht genug Ruhe, um es richtig wachsen zu lassen.
Die romantische Idee wäre natürlich, trotzdem dafür zu kämpfen.
Feurig. Mutig. Leidenschaftlich. Mit Regen im Gesicht und einer Liebeserklärung, die wahrscheinlich ein bisschen zu dramatisch wäre, um sie später nüchtern vorzulesen.
Selten? Ja.
Sehr spezifisch? Absolut.
Vielleicht ein bisschen wie aus einem Buch? Leider auch ja.
Aber komplett unmöglich?
Das akzeptiert mein stures Herz nicht.
Vielleicht möchte ich auch einfach einmal, dass jemand um mich kämpft. Wenigstens halb so sehr, wie ich um andere gekämpft habe. Nicht, weil Liebe ein Schlachtfeld sein muss. Nicht, weil man jemanden überreden sollte zu bleiben. Sondern weil ein Teil von mir wissen möchte, wie es sich anfühlt, nicht immer die Einzige zu sein, die mit beiden Händen festhält, während der andere schon den Mantel sucht.
Alles, was ich jemals geliebt habe, trägt Spuren von mir in sich.
Auch wenn ich es am Ende nicht halten konnte. Auch wenn es mir durch die Finger geronnen ist. Auch wenn ich irgendwann so tun musste, als hätte ich nicht jeden kleinen Abdruck bemerkt, den es in mir hinterlassen hat.
Vielleicht ist mein Gegenstück jemand, der genauso naiv und gutgläubig durch den Regen rennen würde, nur um noch einen Satz zu sagen, der alles verändert. Jemand, der trotz aller schlechten Chancen vor meiner Tür steht und denkt: Ja, das ist wahrscheinlich verrückt. Aber vielleicht ist es unser Verrückt.
Und wenn mein Kopf das hier liest, wird er es natürlich niemals zugeben.
Mein Kopf wird sich räuspern, die Augen verdrehen und irgendetwas von Realität, Selbstachtung und emotionaler Vernunft murmeln. Sehr erwachsen. Sehr logisch. Sehr langweilig.
Aber vielleicht ist genau das das Happy End für meine verrückte, einzigartige Seele.
Nicht perfekt. Nicht einfach. Nicht glatt.
Aber echt.
Vielleicht brauche ich niemanden, der mich rettet. Vielleicht brauche ich jemanden, der nicht sofort geht, wenn er merkt, dass ich manchmal vor mir selbst erschrecke. Jemanden, der meine Mauern nicht romantisiert, aber auch nicht wütend wird, wenn ich noch nicht weiß, wie man sie öffnet. Jemanden, der versteht, dass mein Rückzug nicht immer Gleichgültigkeit bedeutet, sondern manchmal nur Angst in einem schlecht sitzenden Kostüm.
Aber manchmal ist das Liebevollste trotzdem nicht Festhalten.
Sondern Glauben.
Vertrauen.
Nicht alles, was Sinn ergibt, muss sofort passieren.
Nicht alles, was sich richtig anfühlt, ist bereit.
Nicht jede Verbindung stirbt, nur weil sie Abstand braucht.
Manchmal bedeutet Liebe nicht, jemanden an sich zu ziehen, bis keiner mehr atmen kann. Manchmal bedeutet Liebe, die Hände zu öffnen und trotzdem nicht so zu tun, als wäre einem egal, was man loslässt.
Gute Dinge brauchen Zeit, sagen alle immer.
Ich hasse diesen Satz ein bisschen, weil er meistens stimmt.
Vielleicht ist Vertrauen genau das: nicht alles mit beiden Händen festzukrallen, nur weil man Angst hat, es könnte sonst verschwinden. Vielleicht ist Vertrauen, den roten Faden nicht zwanghaft zu entwirren, sondern ihn erst einmal liegen zu lassen. Auch wenn er aussieht wie ein komplettes Knäuel aus Hoffnung, Angst, Timing, Stolz, Sehnsucht und ein bisschen Wahnsinn.
Vielleicht findet man das Ende später.
Vielleicht auch nicht.
Aber irgendwo in mir sitzt sie noch, diese kleine Romantikerin. Nicht laut. Nicht naiv. Nicht mehr ganz so barfuß im brennenden Feld wie früher.
Aber sie ist da.
Sie schaut auf dieses rote Fadenknäuel und denkt: Vielleicht ist das hier nicht nur Chaos. Vielleicht ist das noch eine Geschichte, die sich irgendwann selbst versteht.
Und bis dahin versuche ich, meine Mauern nicht mehr mit Zuhause zu verwechseln.
Ich versuche, weicher zu werden, ohne mich selbst zu verlieren. Ich versuche, meine Angst nicht mehr ans Steuer zu lassen, nur weil sie am lautesten schreit. Ich versuche, Liebe nicht wie Gift zu behandeln, nur weil mein Kopf noch immer alte Warnschilder aufstellt.
Vielleicht wird mich Liebe nicht komplett heilen.
Vielleicht ist das auch gar nicht ihre Aufgabe.
Vielleicht muss Liebe nicht meinen Kopf entgiften, meine Abwehr beruhigen oder jeden alten Schmerz in etwas Schönes verwandeln. Vielleicht muss sie nicht die Rettung sein. Vielleicht reicht es, wenn sie irgendwann ein Ort wird, an dem ich nicht mehr sofort wegrennen will.
Ein Ort, an dem mein Herz nicht mehr beweisen muss, dass es kämpfen kann.
Ein Ort, an dem mein Kopf langsam lernt, dass nicht jede offene Tür eine Falle ist.
Ein Ort, nah genug, um nicht nur fast zu funktionieren.
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