Captain Chaos meldet sich zurück

Ironischerweise war mein letzter Blogpost über Migräne.

Also wirklich: ironischerweise.

Ich wollte ein bisschen mehr Licht auf dieses Thema werfen. Ein paar Worte finden für dieses neurologische Unwetter, das so oft kleingeredet wird, obwohl es ganze Tage aus dem Leben reißen kann. Ich wollte erklären, dass Migräne nicht einfach Kopfweh ist, nicht bloß „leg dich halt kurz hin“, nicht nur ein bisschen Drama mit Stirnrunzeln und abgedunkeltem Zimmer.

Und das Universum stand offenbar daneben, nickte sehr motiviert und sagte:

„Jawoll, Ines. Licht drauf werfen. Verstanden. Dann machen wir doch gleich Flutlicht.“

Danke.

Wirklich sehr großzügig.

Nächstes Mal vielleicht mit etwas Vorwarnung. Oder besseren Sicherheitshinweisen. Vielleicht eine kleine Broschüre? Ein Beipackzettel? Irgendwas zwischen „Achtung, emotionaler Vulkanausbruch möglich“ und „Bitte sichern Sie Ihre innere Seifenblase, bevor das komplette System überflutet wird“.

Denn scheinbar habe ich nicht nur über Migräne geschrieben.

Ich habe versehentlich die Tür geöffnet.

Und dahinter stand nicht ein einzelnes Migräne-Monster mit höflichem Klopfen, sondern ein ganzer Vulkan mit schlechter Impulskontrolle.

Sehr aufmerksam vom Leben, mir nach meinem Text direkt Anschauungsmaterial zu liefern.

Wirklich.

Hätte es nicht gebraucht.

Vor allem nicht in dieser Premium-Ausführung mit Überflutung, Rauchzeichen und emotionalem Totalausfall.

Die letzten Wochen fühlten sich jedenfalls weniger nach Pause an und mehr nach ungeplanter Evakuierung. Nicht von einem Ort, sondern aus mir selbst. Als wäre ich irgendwie noch da gewesen, aber nicht mehr richtig bewohnbar.

Ich glaube, ich war nicht ganz ich selbst.

Was ein sehr harmloser Satz ist für ein Gefühl, das sich in echt eher angefühlt hat wie: Jemand hat in meinem Kopf alle Sicherungen rausgedreht, die Beschriftungen von den Kabeln entfernt und dann gesagt: „Viel Glück, Captain Chaos.“

Danke dafür.

Sehr hilfreich.

Ich habe es zuerst an Kleinigkeiten gemerkt. Daran, dass ich wieder tagsüber schlafen wollte. Nicht dieses kleine, süße „Ich gönn mir kurz Ruhe“-Schlafen, sondern eher dieses „Ich möchte bitte für eine Weile nicht existieren müssen“-Schlafen.

Ein Nickerchen mit Fluchtcharakter.

Sehr Wellness.

Sehr bedenklich.

Und natürlich habe ich mir eingeredet, dass ich einfach müde bin. Dass mein Körper das eben braucht. Dass es vielleicht am Sommer liegt.

Der Sommer und ich führen sowieso seit Jahren eine schwierige Beziehung. Er taucht jedes Jahr ungefragt wieder auf, ist viel zu intensiv, viel zu heiß, viel zu hell und erwartet dann auch noch Begeisterung.

Ich freue mich wirklich für alle Sonnenkinder. Ehrlich. Ich gönne euch eure warmen Abende, eure gebräunten Schultern, eure gute Laune und eure Fähigkeit, bei 31 Grad nicht innerlich zu verkochen.

Ich persönlich bin eher ein Herbstwesen.

Ein kleines Zwischenwelt-Gewächs.

Ein „Kann bitte jemand das Licht dimmen und die Luft wieder atembar machen?“-Mensch.

Vielleicht ist in mir einfach schon genug Feuer, und mein Körper findet zusätzliche Hitze ungefähr so sinnvoll wie Glitzer auf einer offenen Wunde.

Also ja, ein bisschen Sommer-Schwere kenne ich. Andere sprechen von Winterdepressionen, ich bekomme meine kleine emotionale Sonderedition gerne dann, wenn draußen alles blüht und die Welt ruft: „Ist das nicht herrlich?“

Und ich stehe daneben, Kreislauf aus nassem Papier, und denke:

Für euch vielleicht.

Aber diesmal war es anders.

Nicht lauter.

Nicht spektakulärer.

Nur tiefer.

So eine Art stiller Vulkandruck unter der Oberfläche.

Ich habe funktioniert, aber nicht gelebt. Ich war da, aber nicht wirklich anwesend. Ich habe gemacht, was gemacht werden musste, weil man eben manchmal weiterläuft, auch wenn der Akku schon längst bei ein Prozent ist und das Ladekabel in einem anderen Universum liegt.

Arbeit. Haushalt. Einkaufen. Irgendwie essen. Irgendwie schlafen. Irgendwie nicht komplett auseinanderfallen.

Von außen vermutlich halbwegs stabil.

Von innen eher: Fehlermeldung mit Dauerschleife.

Ich war auf Autopilot. Nicht in der coolen „Wow, sie hat ihr Leben im Griff“-Variante. Eher in der „Dieses Flugzeug fliegt noch, aber bitte fragt niemand nach dem Cockpit“-Variante.

Und das Gemeine ist: Ich war nicht abgestürzt.

Nicht so richtig.

Kein kompletter Zusammenbruch, kein dramatischer Knall, keine Selbstzerstörung mit Ansage.

Ich war einfach weg.

Leise weg.

So eine Version von mir, die noch Rechnungen bezahlt, den Geschirrspüler ausräumt und Nachrichten halbwegs normal beantwortet, aber innerlich längst unter Wasser sitzt und nicht mehr weiß, wie man Luft holt.

Ich habe gemerkt, wie mein Appetit verschwand. Wie die Nächte unruhiger wurden. Wie mein Kopf nie wirklich still war, aber gleichzeitig nichts herauskam.

Millionen Gedanken.

Null Ausgang.

Sehr effizientes System, wenn das Ziel mentale Überhitzung ist.

Ich dachte ständig nach. Über Gespräche. Über Erinnerungen. Über Dinge, die gesagt wurden. Über Dinge, die nicht gesagt wurden. Über Dinge, die vor Jahren passiert sind und aus irgendeinem Grund um 02:17 Uhr plötzlich wieder relevant wirken.

Mein Kopf war ein Browser mit 74 offenen Tabs, von denen mindestens drei Musik abspielen, aber keiner verrät welcher.

Und trotzdem konnte ich nicht schreiben.

Nicht zeichnen.

Nicht wirklich fühlen, aber auch nicht nicht fühlen.

Es war alles da und alles blockiert.

Als hätte jemand meine Kreativität in einen Karton gepackt, „später“ draufgeschrieben und ihn irgendwo im Keller meines Nervensystems abgestellt.

Sehr unverschämt.

Ich habe versucht, mich selbst beim Kämpfen zu beobachten. Das kann ich nämlich ziemlich gut. Ich sitze dann innerlich daneben mit Klemmbrett und notiere:

Aha. Interessant. Die Patientin vermeidet wieder alles, was ihr eigentlich guttun würde.

Dann folgt meistens keine Lösung, sondern nur ein weiteres Nickerchen.

Learning by doing, diesmal Extrem-Ausgabe.

Achtung, bitte nicht nachmachen.

Mein Handy wurde in dieser Zeit leider wieder zu meinem kleinen leuchtenden Sumpfloch. Ich habe draufgestarrt, als würde irgendwo zwischen Nachrichten, Bildern, Reels und völlig unnötigem Scrollen ein Ausgang aus meinem eigenen Kopf versteckt sein.

Spoiler: war er nicht.

Aber ich habe trotzdem gesucht.

Ich hasste es. Ich hasste meine Bildschirmzeit. Ich hasste dieses Festkleben. Dieses Gefühl, von etwas gehalten zu werden, das nicht einmal Arme hat.

Und gleichzeitig konnte ich nicht aufhören.

Weil Scrollen manchmal weniger nach Leben verlangt als Leben.

Weil ein Bildschirm nichts von dir will außer deine Aufmerksamkeit.

Und Aufmerksamkeit hatte ich noch. Nicht viel, aber genug, um sie an etwas zu verschwenden, das mir danach noch mehr das Gefühl gab, mich selbst zu verlieren.

Sehr gesundes Konzept.

Fünf Sterne.

Würde ich nicht empfehlen.

Das Schwierigste war vielleicht, dass ich nicht erklären konnte, was los ist.

Ich wusste nur: Irgendwas stimmt nicht.

Nicht so, dass ich sagen konnte: Hier ist der Grund. Hier ist der Auslöser. Hier ist die saubere kleine Ursache mit Schleife drum.

Es war eher ein diffuses, tiefes Ziehen.

Eine Schwere ohne Adresse.

Ein Regen, der so lange in die Erde sickert, bis der Boden irgendwann zu schwer wird, um sich selbst zu halten.

Und ich mittendrin.

Mit nassen Schuhen.

Und dem Versuch, niemanden damit vollzutropfen.

Denn da ist sie wieder, diese alte Angst, jemandem zur Last zu fallen.

Mein persönlicher Endgegner in bequemen Hausschuhen.

Ich weiß, dass ich keine Last bin. Wirklich. In meinem erwachsenen, reflektierten, halbwegs vernünftigen Teil weiß ich das.

Ich weiß, dass ich schreiben dürfte. Anrufen dürfte. Sagen dürfte: „Mir geht’s gerade nicht gut und ich weiß nicht einmal genau warum.“

Aber manche alten Programme laufen tiefer als Logik.

Manche Sätze aus der Vergangenheit sind noch immer lauter als die Gegenwart.

Sei nicht zu viel.

Sei nicht schwierig.

Sei nicht schon wieder traurig.

Sei nicht die Person, die den Raum schwerer macht.

Also halte ich es oft bei mir. Nicht, weil ich niemandem vertraue. Sondern weil irgendwo in mir noch immer eine kleine Alarmanlage losgeht, sobald ich Trost brauche.

Als wäre Trost etwas, das man nur in sehr kleinen Mengen beantragen darf.

Mit Formular.

Dreifach kopiert.

Und bitte nur zu Bürozeiten.

Dabei wollte ich manchmal einfach nur hören:

Du darfst gerade schwer sein.

Du musst dich nicht erst hübsch verpacken, damit dein Schmerz zumutbar wird.

Aber wie erklärt man Schwere, wenn man selbst nicht weiß, woraus sie besteht?

Wie schreit man nach Hilfe, wenn man unter Wasser ist?

Ich lag gestern Abend dann einfach da.

Keine Musik. Keine Kerzen. Keine ästhetische Selbstheilungsszene mit perfekt drapierter Decke und Tee in einer hübschen Tasse.

Nur ich.

Couch.

Dunkelheit.

Tränen.

Ungefähr zwei Stunden lang.

Sehr glamourös.

Wenn das meine Rückkehr sein soll, dann bitte mit geschwollenen Augen, unruhigen Fingern und emotionalem Totalschaden im Hintergrund.

Die Finger tippen heute übrigens auch eher Fehler als Poesie, aber gut.

Man nimmt, was man kriegt.

Ein kleines Dankeschön an die Autokorrektur an dieser Stelle, die mich in solchen Momenten offenbar nochmal kurz abcheckt, bevor ich etwas veröffentliche.

Die Rechtschreibfehler bleiben ein Geheimnis zwischen uns.

Irgendwann, zwischen Weinen, Atmen und diesem erschöpften Nichts-mehr-festhalten-können, ging ein Knopf auf.

Nicht der große magische Knopf, der alles repariert.

Leider.

Ich habe gesucht.

War nicht da.

Aber ein kleiner.

Ein Klicken irgendwo im System.

Als hätte jemand die Batterien in einer alten Lichterkette gewechselt, die ich schon längst für kaputt gehalten hatte.

Und plötzlich war da ein Gedanke.

Migräne. Natürlich.

Natürlich, verdammt.

Wie konnte ich das übersehen?

Wobei, wahrscheinlich konnte ich es übersehen, weil ich mittendrin war. Man sieht den Sturm selten gut, wenn man gerade versucht, nicht vom eigenen Dach geweht zu werden.

Die letzten Monate waren voll davon. Regelmäßige, heftige Migräneanfälle. Nicht ein bisschen Kopfweh mit dramatischem Handrücken an der Stirn, sondern neurologisches Unwetter. Licht wird zu Angriff. Geräusche bekommen Kanten. Der Körper wird zum Krisengebiet. Der Kopf macht Dinge, die kein Kopf machen sollte.

Und danach?

Danach habe ich offenbar einfach weitergemacht.

Sehr clever.

Sehr ich.

Migräne vorbei, also weiter im Programm.

Als hätte da nicht gerade ein kleines Erdbeben im Nervensystem stattgefunden.

Als würde ein Kopf nach so einem Anfall einfach sagen: „Passt, alles cool, wir sind wieder voll einsatzfähig.“

Spoiler: ist er nicht.

Vielleicht war das der Teil, den ich nicht gesehen habe.

Dass Migräne nicht nur das Mittendrin ist.

Nicht nur der Schmerz.

Nicht nur der Anfall.

Nicht nur die Stunden, in denen man im Dunkeln liegt und hofft, dass der eigene Schädel keine Kündigung einreicht.

Vielleicht ist Migräne auch das Davor.

Dieses unruhige Flackern im System. Diese komische Gereiztheit, Müdigkeit, Empfindlichkeit, die man erst rückblickend richtig einordnen kann.

Und vor allem ist sie vielleicht auch das Danach.

Die Zeit, in der alles offiziell vorbei sein soll, aber der Körper noch irgendwo zwischen Trümmern steht und versucht, wieder Empfang zu bekommen.

Rehabilitationszeit ist mir anscheinend ein komplettes Fremdwort.

Vor allem bei mir selbst.

Statt nach einem Anfall zu denken: Okay, mein Nervensystem wurde gerade einmal durch die Waschmaschine geschleudert, vielleicht wäre Ruhe angebracht, denke ich offenbar:

Na gut, das hat jetzt wieder alles durcheinandergebracht. Jetzt muss ich aufholen. Nachkommen. Doppelt so schnell weitermachen. Die verlorene Zeit irgendwie wieder reinholen.

Glorreicher Plan.

Wirklich.

Manchmal könnte ich mir rückblickend selbst eine liebevolle, aber sehr bestimmte Kopfnuss geben, wenn ich sehe, was ich in solchen Momenten für grandiose Entscheidungen treffe.

Als ob ich es nicht besser wüsste.

Als ob ich nicht längst verstanden hätte, dass man einen Körper nicht durch Druck repariert.

Als ob ich nicht schon oft genug gelernt hätte, dass „einfach weitermachen“ manchmal nur eine hübsch verpackte Einladung zum nächsten Zusammenbruch ist.

Aber nein.

Ich sehe eine rote Warnlampe und denke:

Interessant. Vielleicht geht sie aus, wenn ich schneller fahre.

Und wenn so ein neurologisches Monster regelmäßig durch einen Kopf trampelt, der ohnehin schon recht bunt verkabelt ist, dann hinterlässt das vermutlich Spuren.

Überraschung.

Der Körper ist kein Drucker, den man kurz aus- und wieder einschaltet, wenn er hängt.

Obwohl ich es versucht habe.

Mehrfach.

Ohne Erfolg.

Gestern war dieser Gedanke gleichzeitig erleichternd und belastend.

Erleichternd, weil ich plötzlich nicht mehr nur dachte: Was stimmt nicht mit mir?

Sondern eher: Ah. Da ist ein möglicher Zusammenhang. Da ist ein Faden. Da ist etwas, das Sinn ergibt.

Belastend, weil Sinn nicht automatisch leicht macht.

Manchmal ist Erkenntnis einfach nur ein Licht, das man einschaltet, und dann sieht man erst, wie chaotisch der Raum wirklich ist.

Danke, Licht.

Sehr nett von dir.

Ich bin also nicht plötzlich wieder ganz da.

Ich schreibe das nicht aus einer dramatischen Vorher-Nachher-Perspektive, bei der am Ende alles golden leuchtet und ich barfuß durch meine Heilung tanze.

Ich komme nicht aus einer Pause zurück.

Eine Pause klingt freiwillig.

Nach Tee.

Nach Ruhe.

Nach „Ich nehme mir bewusst Zeit für mich“.

Das hier war keine Pause.

Das war ein ungeplanter Crash.

Eine Rettungsaktion mit mir selbst.

Ich habe mich nicht erholt. Ich habe überlebt.

Und jetzt sitze ich hier, mit geschwollenen Augen, unruhigen Fingern, die gerade mehr Fehler tippen als korrekte Poesie, und rohen Emotionen, die in mir Seil hüpfen, als hätten sie nie gelernt, sich hinzusetzen.

Aber schön.

Schön, wieder da zu sein.

Nicht stabil-da.

Nicht sortiert-da.

Nicht „alles gut, danke der Nachfrage“-da.

Eher so: Ich habe kurz den Kopf aus dem Wasser gestreckt, huste noch, sehe wahrscheinlich aus wie ein sehr trauriger Waschbär, aber ich erkenne die Oberfläche wieder.

Und das zählt.

Ich sitze wieder ein kleines Stückchen am Steuer.

Captain des Chaos.

Mit Warnblinkanlage.

Ohne Navi.

Wahrscheinlich mit leerem Tank und einem sehr verdächtigen Geräusch aus dem Motorraum.

Aber immerhin nicht mehr komplett auf dem Rücksitz meines eigenen Lebens.

Das ist kein triumphaler Neustart.

Es ist eher ein vorsichtiges Zurückblinzeln.

Ein „Hallo, ich glaube, ich bin noch da“.

Ein erster Satz nach Wochen innerer Stille.

Vielleicht reicht das für heute.

Vielleicht muss ich nicht sofort alles reparieren.

Vielleicht muss ich nicht sofort wieder produktiv, kreativ, glücklich, stabil, sortiert und angenehm zu lesen sein.

Vielleicht darf ich einfach anfangen, ehrlich hinzuschauen.

Ohne mich dafür fertigzumachen, dass ich vorher nichts gesehen habe.

Vielleicht darf ich anerkennen, dass mein Körper laut war.

Dass mein Kopf überfordert war.

Dass mein Nervensystem nicht rebelliert hat, weil es mich hasst, sondern weil es wahrscheinlich seit Wochen mit einer kleinen roten Fahne herumwedelt und schreit:

Entschuldigung, hier brennt was.

Und ich so:

Ja, ja, gleich. Ich muss nur noch funktionieren.

Klassiker.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich aus diesem Matsch wieder herauskomme.

Aber ich glaube, ich weiß jetzt zumindest, dass es Matsch ist und kein persönliches Versagen.

Das ist ein Anfang.

Kein hübscher.

Kein sauberer.

Kein inspirierender Kalender-Spruch-Anfang.

Eher einer mit verheultem Gesicht, zu viel Bildschirmzeit, Migräne-Monster im Nacken und dem sehr leisen Verdacht, dass irgendwo in mir noch Licht ist.

Aber Mondmarmelade war ja noch nie für klinisch reine Neuanfänge zuständig.

Eher für die klebrigen.

Die weichen.

Die bittersüßen.

Die, die man mit einem Löffel direkt aus dem Glas isst, während man versucht, nicht schon wieder sein ganzes Innenleben auf dem Küchenboden zu verlieren.

Also ja.

Ich bin noch nicht zurück wie in „alles gut, danke der Nachfrage“.

Aber ich bin wieder kurz aufgetaucht.

Luft holen tut weh.

Die Lunge brennt.

Der Kopf ist müde.

Das Herz hängt ein bisschen schief.

Aber ich atme.

Und irgendwo zwischen Migräne, Sommerhitze, alten Programmen, Autopilot und zwei Stunden Couch-Heulen sitzt sie wieder:

Ich.

Zerknittert.

Nicht besonders glamourös.

Aber da.

Und vielleicht reicht genau das, um den nächsten Satz zu schreiben.

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