Ein Lebenszeichen aus dem kreativen Chaos
Frisch aus der Dusche gehüpft habe ich mich mit einer Mission vor meinen Laptop gesetzt:
Ein Blogpost muss her. Ein Lebenszeichen. Ein kleines „Hallo, ich bin noch da“, das hier in letzter Zeit leider viel zu selten von mir kommt.
Und ich merke es selbst. Ich merke, wie das Schreiben hier gerade ein bisschen untergeht, und ganz ehrlich: Ich bin selbst ein wenig enttäuscht darüber. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte. Eher im Gegenteil. Bei mir passiert gerade so viel, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Irgendwo zwischen spirituellem Erwachen und mentalem Breakdown verschieben sich gerade die Möbel in meinem Inneren. Manche Dinge fallen auseinander, andere fügen sich vielleicht gerade zum ersten Mal richtig zusammen.
Und währenddessen will ich natürlich am liebsten fünf Sachen gleichzeitig machen. Nichts soll zu kurz kommen. Nicht mein Blog. Nicht mein Buch. Nicht mein Alltag. Nicht mein Wachstum. Nicht mein kreatives, chaotisches, wunderbares Ich, das mit nassen Haaren vor dem Laptop sitzt und denkt: Na gut, dann schreiben wir eben jetzt irgendwas Magisches aus dem Wirrwarr.
Mehr als 24 Stunden am Tag wären aktuell schon praktisch. Oder wenigstens ein paar zusätzliche Hände. Vielleicht auch ein zweites Gehirn. Eines fürs Buch, eines fürs Bloggen, eines fürs Leben und eines nur dafür, zwischendurch dramatisch aus dem Fenster zu schauen.
Was das Schreiben betrifft, suche ich gerade noch meinen neuen Groove. Ich schubse mich aktiv in Richtung Buchschreiben, und dadurch fließt gerade sehr viel von meinem guten Lesestoff in diese Richtung. So gerne ich manche Texte sofort teilen würde, so sehr merke ich auch: Ein Teil davon gehört gerade noch nicht hierher. Ein Teil davon gehört ins Buch. In dieses größere Ding, das langsam, vorsichtig und ziemlich mutig Form annimmt.
Und vielleicht ist genau das eine der neuen Hürden: Nicht, dass mir die Worte fehlen. Sondern dass ich plötzlich entscheiden muss, wohin sie gehören.
Blogpost? Buchkapitel? Tagebucheintrag? Schatten-Monolog? Seelenkonfetti?
Alles meldet sich gleichzeitig und hebt die Hand.
Aber nicht heute. Nicht mit mir. Denn wer bin ich denn, wenn ich nicht mehr als ein oder zwei gute Texte aus dem Ärmel schütteln könnte? Warum nur Tandem-Bücher lesen, wenn man nicht auch Tandem-Texte schreiben kann? Warum davon ausgehen, dass ich feststecke, wenn ich vielleicht einfach nur vor meinem nächsten Potenzial stehe?
Vielleicht ist das hier gar keine Blockade. Vielleicht ist es ein Übergang.
Vielleicht vernachlässige ich nicht das eine für das andere. Vielleicht lerne ich gerade, mehreren Facetten von mir gleichzeitig Raum zu geben. Dem Buch-Ich. Dem Blog-Ich. Dem Tagebuch-Ich. Dem poetischen Ich, das Mondmarmelade auf Gedankenbrote schmiert. Und dem leicht überforderten Ich, das trotzdem noch lachen kann.
Natürlich fühlt sich so ein Wandel zwischen verschiedenen Kulissen anfangs seltsam an. Zwischen Zeilen, Geschichten und Themen hin und her zu springen, hat etwas Merkwürdiges. Vor allem, wenn man es nicht nur für sich selbst festhält, sondern auch für andere. Es fühlt sich manchmal an, als müsste ich mich jedes Mal kurz neu vorstellen.
Hallo, ich bin Ines.
Gestern habe ich an meinem Buch gearbeitet, in dem ich meine eigene Geschichte über Trauma, Heilung und all die Zwischenräume erzähle.
Heute schreibe ich einen Blogpost darüber, was mein Schatten wohl tut, während ich schlafe.
Sympathisch? Hoffentlich. Authentisch? Auf jeden Fall. Ein bisschen komisch? Absolut.
Aber vielleicht ist es nur komisch, weil es noch fremd ist. Weil ich es nicht gewohnt bin, meinen Worten so viel Raum zu geben. Weil es neu ist, nicht alles sofort klein zu falten, damit es irgendwo hineinpasst. Und ich glaube, nicht alles, was uns einschüchtert, soll uns verscheuchen. Manches will uns nur zeigen, dass wir wachsen.
Ich glaube nicht, dass ich heute noch ins Detail gehe, was mein Schatten so erlebt, während ich durch Traumwelten schlummere. Dafür bin ich selbst schon fast zu müde, und dieser Text ist schon fast voll genug mit allem auf einmal. Aber vielleicht nehmen wir das hier einfach als Startschuss. Als kleines Türöffnen. Als vorsichtigen Schritt in eine neue Richtung.
Vielleicht auch als Mini-Teaser dafür, dass mein Buch tatsächlich in Arbeit ist.
Aber nur mit der Ruhe. Wer weiß schon, wann ich das nächste Mal schreibe.
Nein, Spaß. Hoffentlich bald. Wirklich.
Für heute bin ich glücklich damit, diesen Blogpost zu posten. Kein perfektes Manifest. Kein fertig sortierter Meilenstein. Eher ein kleiner, warmer Wortspaziergang aus der Zwischenwelt.
Ein Lebenszeichen.
Ein bisschen Chaos mit Glitzer an den Rändern.